Ein Alt-Server, Den Niemand Abschaltete
Valve ließ einen alten Steam-Inhalte-Server dreizehn Jahre lang öffentlich erreichbar, nachdem er ihn eigentlich ersetzt hatte, und am 29. August 2026 nutzten Archivare genau diesen offenen Zugang, um rund 12 bis 13 Terabyte interner Dateien abzuziehen. Ein Hackerangriff lag nicht vor. Mehrere Medien, darunter Game Developer und Tom's Hardware, bestätigten, dass der Server überhaupt kein Passwort und keine Authentifizierung besaß - ein Relikt von "Steam2", dem Auslieferungssystem, das Valve 2013 stilllegte, als der Store auf die bis heute laufende SteamPipe-Infrastruktur umzog.
Der Datensatz, schnell "Steam2-Teraleak" getauft, enthält Entwicklungs-Builds, Prototyp-Assets und Screenshots aus der gesamten Betriebszeit dieses Servers von 2003 bis 2013. Valve hatte sich zum Zeitpunkt dieses Berichts nicht öffentlich geäußert, und Medien, die das Unternehmen um eine Stellungnahme baten, meldeten keine Antwort.
Nicht Nur Valves Eigene Dateien
Der brisanteste Teil des Lecks gehört zwei anderen Verlagen, nicht Valve. Archivare und Modder, die den Datensatz durchsuchten, fanden unveröffentlichte Beta-Builds von BioWare und EAs Dragon Age: Origins sowie von Rocksteady und WB Games' Batman: Arkham Asylum, direkt neben Valves eigenem unveröffentlichten Material.
Valves eigene Ausbeute umfasst frühe Portal-2-Dateien, aus denen Modder einen spielbaren Prototyp aus dem Jahr 2009 rekonstruierten, ungenutzte Assets aus Left 4 Dead 2 und Counter-Strike: Global Offensive sowie einige ungenutzte Waffenmodelle, die die Community dem längst gestrichenen Half-Life 2: Episode 3 zuordnet - ein spielbarer Build dieses Spiels ist nicht aufgetaucht.
| Studio / Verlag | Titel | Was Geleckt Wurde |
|---|---|---|
| Valve | Portal 2 | Rekonstruierter spielbarer Prototyp von 2009 |
| Valve | Half-Life 2: Episode 3 | Ungenutzte Waffenmodelle und Assets, kein spielbarer Build |
| BioWare / EA | Dragon Age: Origins | Unveröffentlichter Beta-Build |
| Rocksteady / WB Games | Batman: Arkham Asylum | Unveröffentlichter Beta-Build |
Ein Datenleck Ohne Datenschutz-Gesetz
Weil niemand Valve gehackt hat, liegt das Leck außerhalb des rechtlichen Rahmens, der normalerweise für ein Datenleck gilt. Die DSGVO regelt personenbezogene Daten - Namen, Adressen, Bestelldaten - und genau das löste Valves eigene Meldepflicht nach dem CEVA-Logistics-Vorfall aus, der im Juli und August 2026 Valves europäische Steam-Hardware-Käufer traf und Valve zwang, die Datenschutzbehörden in jedem betroffenen Land zu informieren.
Dieses Leck ist anders. Was hier offengelegt wurde, ist geistiges Eigentum von Unternehmen - vertrauliche, unveröffentlichte kreative Arbeit zweier anderer Firmen -, und für IP-Verluste durch Plattform-Nachlässigkeit gibt es in der gesamten EU keine vergleichbare Meldepflicht. BioWare, EA, Rocksteady und WB Games haben keine gesetzliche Frist, die Valve zwingt, ihnen mitzuteilen, was, wann und wie geleckt ist. Welchen Rechtsweg sie auch verfolgen, er läuft über Vertrags- oder Geschäftsgeheimnisrecht, Fall für Fall, nicht über eine feste behördliche Frist.
Was Jedes Studio Fragen Sollte, Das Builds Teilt
Jedes Studio, das ein Spiel über Steam veröffentlicht, übergibt Valve irgendwann Entwicklungsdateien, und dieses Leck zeigt, dass die Aufbewahrung den ursprünglichen Grund dafür um mehr als ein Jahrzehnt überdauern kann. Bevor ein Prototyp-Build mit einem Plattformbetreiber geteilt wird - Steam, aber dieselbe Frage gilt für Epic, PlayStation und Xbox-Partnerportale - sollte man nach einer schriftlichen Aufbewahrungs- und Stilllegungsrichtlinie fragen, statt anzunehmen, alte Infrastruktur werde gelöscht, sobald ein Produkt auf eine neue umzieht.
Die praktische Lehre daraus: unveröffentlichte Build-Dateien mit derselben Sorgfalt bei Vertraulichkeitsklauseln behandeln wie Finanzdaten, gerade weil der rechtliche Schutz bei einem Leck schwächer ist als beim Datenschutzrecht für personenbezogene Daten. Ein verschlossener Schrank auf einer Messe und ein abgesicherter Inhalte-Server sind dasselbe Problem in anderem Gewand: Die Frage ist nie, ob etwas Altes noch existiert, sondern wer noch darauf zugreifen kann.
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