Ein Telefon, das wie eine Beschaffungsentscheidung bepreist ist
Fairphones neuestes Gerät bildet mit seinem Preis genau die Wahl ab, vor der Käufer heute stehen. Das Fairphone Gen. 6+ startet bei 649 Euro für die Standardversion mit Android, oder bei 699 Euro für eine Version mit vorinstalliertem /e/OS statt Standard-Android, ein Aufpreis von 50 Euro, der ein von Google entkoppeltes Betriebssystem eines europäischen Herstellers kauft, kein zusätzliches Hardware-Upgrade.
Dieser Aufpreis von 50 Euro liegt zugleich 50 Euro über dem Fairphone 6, das als Einstiegsmodell in der Produktreihe bleibt. Für einen Unternehmer, der Geräte für eine Flotte vergleicht, sind die beiden Preise nicht einfach zwei Versionen desselben Telefons, sondern zwei unterschiedliche Wetten: einmal auf reparierbare Hardware allein, einmal auf reparierbare Hardware plus nachweisbare Unabhängigkeit von Googles Datenpipeline.
Zwölf Teile, ein Chipsatz und ein Akku, den jeder wechseln kann
Das Gen. 6+ besteht aus 12 einzeln austauschbaren Teilen, jedes mit Standardwerkzeug zugänglich statt in der klebstofflastigen Bauweise, die die meisten Flaggschiff-Telefone prägt. Ein Snapdragon 7s Gen 4 Chipsatz und 12 GB Arbeitsspeicher sorgen für eine angemessene Ausstattung im Verhältnis zum Preis, kombiniert mit einem 6,31 Zoll großen 120-Hz-LTPO-AMOLED-Display.
Das für eine Geräteflotte wichtigste Detail ist der Akku: Er ist vom Nutzer austauschbar, nicht verklebt oder verlötet. Ein verschlissener Akku, ein gesprungenes Display oder ein defektes Kameramodul werden so zu einer Ersatzteilbestellung und ein paar Minuten Arbeit, nicht zu einem abgeschriebenen Gerät und einem neuen Beschaffungszyklus.
Die Garantie wird zur Variable in der Gesamtkostenrechnung
Fairphone gewährt für das Gen. 6+ fünf Jahre Garantie und sichert Software-Support bis 2033 zu, ein Support-Horizont von rund acht Jahren ab Marktstart. Diese Zahl verändert die Gesamtkostenrechnung für alle, die Telefone bisher in einem Zwei- oder Dreijahreszyklus ersetzt haben, denn die Abschreibungskurve eines acht Jahre lang unterstützten Geräts sieht völlig anders aus als bei einem, das nach drei Jahren keine Updates mehr erhält.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Recht-auf-Reparatur-Regeln und Ökodesign-Vorgaben der EU verschärfen stetig, was Hersteller über die Lebensdauer eines Geräts hinweg garantieren müssen, und Beschaffungsteams beginnen, Reparierbarkeit und Update-Langlebigkeit als festen Posten zu behandeln, nicht als Marketingaussage. Eine dokumentierte Fünfjahresgarantie gibt Käufern etwas, worauf sie sich intern bei der Begründung einer Gerätepolitik berufen können, mehr als nur ein Datenblatt zum Bewundern.
Ein kleiner europäischer Hersteller setzt gegen den jährlichen Modellwechsel
Fairphone ist ein kleiner Hersteller aus Amsterdam, der gegen Apple, Samsung und eine Reihe chinesischer Hersteller auf einer Achse antritt, auf der keiner von ihnen zu konkurrieren gebaut ist: Langlebigkeit statt jährlichem Modellwechsel. Das ist eine echte strategische Wette, kein routinemäßiger Produktstart, denn sie verlangt von Käufern, das achte Jahr eines Telefons genauso zu schätzen wie das erste.
Die /e/OS-Option schärft diese Wette speziell für Unternehmenskäufer. Für ein DSGVO-sensibles Team kauft der Aufpreis von 50 Euro ein Gerät, das nachweislich keine Unternehmensdaten standardmäßig durch Googles Ökosystem leitet, ein Detail, das sich leichter in einem Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten dokumentieren lässt als eine Einstellung in einer Standard-Android-Version. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt davon ab, wie viel Gewicht eine Organisation auf nachweisbaren Umgang mit Daten gegenüber der Vertrautheit von Standard-Android und seinem App-Ökosystem legt.
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