Zwei Premieren Auf Derselben Messe

Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für Tech-Souveränität, Sicherheit und Demokratie, nahm am 26. August 2026 an der politischen Eröffnungszeremonie der Gamescom in Köln teil - der erste Besuch einer Exekutiv-Vizepräsidentin in der Geschichte der Messe. Sie sprach über die Games-Strategie der EU, gemeinsam mit dem deutschen Vizekanzler Lars Klingbeil und Forschungsministerin Dorothee Bär, und besuchte die Messehallen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst.

Deutschland setzte am Folgetag eine eigene Premiere: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll am 27. August die Gamescom Congress eröffnen - der erste amtierende Bundespräsident, der die Veranstaltung je besucht. Beide Besuche sind kein Zufall, sondern fallen in dieselbe Woche, in der Berlin eine konkrete Zahl hinter seine Games-Politik stellte.

Die Zahl Hinter Dem Besuch

Die deutsche Bundesregierung erhöht die direkte jährliche Förderung der Games-Branche ab 2026 auf 125 Millionen Euro, wie der Branchenverband game mitteilte. Geschäftsführer Felix Falk erklärte, die Förderung "sorgt wieder für Wachstum und schafft die notwendige Luft, um gleichzeitig die im Koalitionsvertrag geplante zusätzliche steuerliche Games-Förderung umzusetzen."

Diese Formulierung ist entscheidend: Die 125 Millionen Euro sind eine Brücke, nicht die endgültige Politik. Der Koalitionsvertrag sieht bereits ein separates steuerliches Anreizmodell für Games-Produktionen vor, ähnlich der Filmförderung in mehreren EU-Staaten - Studios in Deutschland blicken damit auf zwei sich ergänzende Förderhebel statt auf ein einzelnes Programm.

Warum Sich Eine Souveränitätskommissarin Für Games Interessiert

Virkkunens Ressort umfasst Chips, Cloud und KI-Infrastruktur, nicht Unterhaltung. Ihr Besuch signalisiert, dass Brüssel Games in dieselbe Souveränitätslogik einordnet, die es das ganze Jahr über auf Halbleiter und souveräne Cloud angewendet hat - das Argument, Europa solle nicht vollständig von US-amerikanischen und asiatischen Plattformen, Engines und Publishern abhängen. Der europäische Games-Markt erwirtschaftet mehr Umsatz als Film und Musik in der EU zusammen, und die meisten Plattformen, Engines und umsatzstärksten Titel gehören weiterhin US-amerikanischen oder asiatischen Unternehmen.

Games als Souveränitätsfrage statt als Posten im Kulturhaushalt zu behandeln, ist zunächst eine Umdeutung, keine automatische Förderaufstockung - aber genau diese Umdeutung ging bei Chips und Cloud jeweils größeren EU-Förderinstrumenten voraus.

Was Das Für Die Budgetplanung Von Studios Bedeutet

Ein Studio oder Engine-Anbieter in Deutschland hat nun eine Förderbasis von 125 Millionen Euro jährlich und einen zweiten, kommenden Hebel, das steuerliche Modell im Koalitionsvertrag, auf den es sich einstellen kann, statt auf einen einzelnen unsicheren Förderzyklus. Die Souveränitätsrahmung auf EU-Ebene erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass Games künftig in EU-Industrieförderinstrumente für Chips und Cloud einbezogen werden, die historisch weit größer waren als nationale Kulturbudgets.

Die konkrete Handlungsempfehlung für jedes Games- oder Interactive-Media-Unternehmen in der EU: den Zeitplan der steuerlichen Anreize verfolgen, nicht nur die Förderschlagzeile - dort liegt der größere, mehrjährige Wert, und ein Termin steht noch nicht fest.