Der Wettbewerb statt der Warteschlange

Singapurs Wirtschaftsförderbehörde EDB und die Medienbehörde IMDA haben 200 Megawatt neue Rechenzentrumskapazität vorläufig an vier Betreiber vergeben, und zwar über ein bewertetes Wettbewerbsverfahren, nicht über eine Warteschlange nach dem Prinzip Wer-zuerst-kommt.

Für die Runde, genannt DC-CFA2, die zweite Ausgabe des singapurischen Antragsverfahrens für Rechenzentren, das beide Behörden im Dezember 2025 gestartet hatten, gingen mehr als 20 Angebote ein. Die vier Gewinner, Digital Realty, Equinix, Keppel Data Centers und ST Telemedia Global Data Centers, erhielten je 50 Megawatt, mit Standorten auf Jurong Island. EDB und IMDA erklärten, sie würden in 18 bis 24 Monaten prüfen, ob eine weitere Runde folgt.

BetreiberZugewiesene LeistungMindest-Grünstromanteil
Digital Realty50 MWÜber 50 Prozent
Equinix50 MWÜber 50 Prozent
Keppel Data Centers50 MWÜber 50 Prozent
ST Telemedia Global Data Centers50 MWÜber 50 Prozent

Der Zuschlag verlangte eine Nachhaltigkeitsschwelle, nicht nur ein Gebot

Jeder Gewinner musste sich verpflichten, mehr als die Hälfte seiner zugewiesenen Kapazität aus Grünenergie zu decken, aus Biomethan, Wasserstoff oder Solarstrom, bevor die Regierung auch nur einen Teil der 200 Megawatt freigab. Damit wurde ein Nachhaltigkeitsversprechen zur Zugangsbedingung, nicht zur nachträglichen Pflichtübung.

Das ist eine andere Reihenfolge als in der Branche üblich, wo Nachhaltigkeitszusagen meist erst nach der Standortsicherung folgen oder als Marketingschicht über Kapazität gelegt werden, die allein über Preis oder Beziehungen gewonnen wurde. Singapurs eigene Formulierung, die Gewinner hätten sich verpflichtet, die Mindestanforderung zu übertreffen, deutet darauf hin, dass die tatsächliche Schwelle über 50 Prozent liegt, nicht nur bei genau 50 Prozent.

Warum das über Singapur hinaus zählt

Warum es zählt: die meisten netzknappen Märkte, darunter Großbritannien und Dänemark, rationieren Rechenzentrumsstrom über Warteschlangen von fünf bis fünfzehn Jahren oder über kapitalintensive Vorrangdeals, nicht über einen bewerteten Wettbewerb, der Nachhaltigkeitszusagen von vornherein einpreist.

In Großbritannien haben sich die Anschlusswarteschlangen stellenweise auf fast 15 Jahre gestreckt, was manche Betreiber zu teuren Umwegen wie der direkten Finanzierung von Umspannwerks-Ausbauten treibt, um die Warteschlange zu überholen. Dänemark ging diesen Monat den umgekehrten Weg mit einem Notgesetz, das Rechenzentren formal hinter Haushalte und Projekte der grünen Wende einordnet. Singapurs Modell liegt zwischen diesen beiden Extremen: transparent, kriteriengestützt und nun über zwei Runden als wiederholbar erwiesen, statt eine unter Druck improvisierte Notmaßnahme zu sein.

Das Fazit

Das Fazit: für jeden Betreiber oder Investor, der eine neue Rechenzentrumsfläche in einem netzknappen Markt plant, werden Nachhaltigkeitsnachweise zu einem Wettbewerbsvorteil beim Zugang zum Netz selbst, nicht zu einer nachgelagerten Compliance-Kostenstelle.

EU- und UK-Netzbehörden, die derzeit an eigenen Reformen der Anschlusswarteschlangen arbeiten, haben nun einen zweifach erprobten, echten Präzedenzfall zum Studieren statt eine Hypothese. Beschaffungs- und Standortteams sollten einen Grünstrom-Beschaffungsplan als Teil des Gebots um Kapazität behandeln, nicht als Papier, das erst nach der Sicherung der Kapazität nachgereicht wird.