Zwei Lücken, zwei Patches, zehn Wochen auseinander

Meta hat am 27. August 2026 eine zweite Lücke in der Aufnahme-LED der Ray-Ban Meta geschlossen, nachdem Nutzer entdeckt hatten, dass man eine Aufnahme starten, danach die LED verdecken und unsichtbar weiterfilmen konnte.

Alex Himel, Metas VP für AR, kündigte den Fix auf Threads an. Das Verdecken der LED vor Aufnahmebeginn war bereits seit Monaten blockiert, dieser Weg blieb verschlossen. Die neue Lücke funktionierte, weil das Verdecken der LED während einer laufenden Aufnahme die Kamera nicht stoppte, sondern nur die Warnung verbarg. Das Update vom 27. August ändert das: Die Kamera stoppt die Aufnahme jetzt in dem Moment, in dem die LED während einer laufenden Aufnahme verdeckt wird.

Dies ist der zweite Datenschutz-Patch für die Aufnahme-LED in weniger als zwei Monaten. Ein früheres Update, etwa im Juni oder Juli 2026 ausgerollt, schloss eine eher physische Lücke: Wer das LED-Gehäuse aus der Fassung bohrte, behielt bislang eine funktionierende Kamera ganz ohne Indikator. Jenes Update deaktivierte die Kamera vollständig, sobald das LED-Gehäuse entfernt wurde. Himel erklärte, Meta werde "weiterhin solche Updates ausrollen, um sicherzustellen, dass die Aufnahme-LED zuverlässig Umstehende warnen kann, wenn Fotos oder Videos aufgenommen werden".

Jeder der beiden Fixes reagiert auf eine bestimmte Art, wie Nutzer die LED ausgehebelt haben. Keiner reagiert auf das, was französische Regulierungsbehörden über die LED selbst bereits gesagt hatten, zwei Monate vor dem neueren der beiden Fixes.

EreignisWas es betrifft oder StatusDatum
LED aus der Fassung gebohrtKamera vollständig deaktiviert, wenn das LED-Gehäuse entfernt wirdEtwa Juni-Juli 2026 (früheres Update)
LED nach Aufnahmebeginn verdecktKamera stoppt die Aufnahme jetzt sofort, wenn die LED während der Aufnahme verdeckt wird27. August 2026
CNIL erklärt die LED für unzureichendFranzösische Behörde sagt, ein technisches Anzeigelicht könne keine Einwilligung Umstehender ersetzenJuni 2026
EDPB-Kategorisierungsbericht zu Smart GlassesErwartet, noch nicht veröffentlichtEnde Sommer 2026
Meta Connect und Start der nächsten BrillengenerationGeplanter Hardware-Termin23. September 2026

Es ist zudem das zweite Mal innerhalb weniger Wochen, dass die Aufnahmeanzeige der Ray-Ban Meta über Metas eigene Fixes hinaus Aufmerksamkeit erregt. Eine frühere Beschwerde der deutschen Organisation HateAid, gemeldet am 15. August 2026, betraf einen separaten Mod-Markt, der Kamerabeschränkungen der Brille per Software umging, ein eigenständiges Thema gegenüber den hier geschlossenen Firmware-Lücken.

Ein Fix für Zuverlässigkeit, nicht für Einwilligung

Frankreichs CNIL teilte Meta bereits im Juni 2026 mit, die Aufnahme-LED "habe nur eine begrenzte Reichweite und erscheine daher unzureichend" als Mittel, um Umstehende zu warnen, und dass Träger vor dem Filmen anderer Personen eine echte Einwilligung einholen müssen, unabhängig davon, wie sich die Anzeige verhält.

Diese Aussage kam vor beiden oben beschriebenen Patches. Sie war keine Reaktion auf die Bohr-Lücke oder die Lücke während laufender Aufnahme, die CNIL hatte bereits erklärt, dass der zugrunde liegende Ansatz als Einwilligung nicht funktioniert, bevor eine der beiden Lücken geschlossen wurde. Der Einwand der CNIL lautet nicht, dass sich die LED austricksen lässt, sondern dass selbst eine einwandfrei funktionierende LED keine Einwilligung der gefilmten Person darstellt.

Deutschland fügt einen zweiten, eigenständigen Strang hinzu, was für eine in Deutschland ansässige Redaktion besonders relevant ist. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz hat angedeutet, die Brille könnte bereits gegen deutsche Regeln zu verdeckten Aufnahmegeräten verstoßen, eine Einschätzung, die ebenfalls nicht von der Zuverlässigkeit der LED abhängt. Italienische Mitglieder des Europäischen Parlaments äußerten im März 2026 eine weitere Sorge, diesmal über Auftragnehmer in Kenia, die von der Brille aufgenommenes Material sichten, gerichtet an die irische DPC, Metas federführende EU-Aufsichtsbehörde.

Keiner dieser Stränge fragt, ob sich die LED aushebeln lässt. Jeder stellt eine andere Frage: wer einwilligt, wer das Material sichtet, und nach welchem Recht. Die LED schwerer austrickbar zu machen, beantwortet keine davon.

Was EU- und UK-Unternehmen aus dem Zeitpunkt lernen sollten

Europäische und britische Unternehmen, die Ray-Ban Meta oder ähnliche Smart Glasses im Einzelhandel, in der Lagerlogistik, im Außendienst oder im Kundenkontakt testen oder einsetzen, betreiben ein Gerät, dessen rechtliche Kategorie noch geschrieben wird.

Ein Firmware-Update, das die Aufnahme-LED schwerer austrickbar macht, ist eine echte technische Verbesserung. Es ist keine Compliance-Antwort auf die im Juni von der CNIL aufgeworfene Einwilligungsfrage, und es berührt weder die deutsche Frage zu verdeckten Aufnahmegeräten noch die Kenia-Untersuchung der irischen DPC. Ein Unternehmen, das "Meta hat die LED erneut gepatcht" als Beweis dafür nimmt, dass das Einwilligungsproblem gelöst sei, verlässt sich auf eine Behauptung, die Metas eigene federführende EU-Datenschutzbehörde bereits schriftlich zurückgewiesen hat.

Der Bericht des EDPB zur rechtlichen Kategorisierung von Smart Glasses in der EU wird bis Ende des Sommers 2026 erwartet, im selben Zeitfenster, in dem Meta seine nächste Brillengeneration auf dem Meta Connect am 23. September 2026 vorstellen will. Ein Unternehmen, das die aktuelle Generation jetzt testet, sollte damit rechnen, dass sich die Regeln für die gesamte Gerätekategorie, nicht nur für dieses Modell, innerhalb weniger Wochen nach diesem Start ändern, und sollte seine Praxis zu Einwilligung Umstehender und Datenverarbeitung an dem ausrichten, was CNIL und Hamburg bereits gesagt haben, statt an dem, was die LED aktuell tut.

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