Was sich zum 1. Juli für Rechenzentren geändert hat
Finnland hat Strom für Rechenzentren aus der ermäßigten Steuerklasse II in die allgemeine Klasse I überführt. Der Satz steigt von 0,05 Cent je Kilowattstunde auf 2,24 Cent, ein Aufschlag von 2,19 Cent auf jede bezogene Einheit. Bei einer großen Anlage, die rund um die Uhr zweistellige Megawatt zieht, summiert sich das auf Millionen Euro im Jahr - und trifft genau den Kostenblock, den ein Rechenzentrum nicht senken kann.
Die finnische Regierung rechnet mit rund 47 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr auf dem Niveau von 2026, in diesem Jahr etwa die Hälfte, weil die Änderung zur Jahresmitte griff. Die Maßnahme stand bereits im Haushaltsgesetz vom Oktober 2025 und gilt seit dem 1. Juli 2026. Neu ist nicht die Zahl, sondern dass die höhere Rechnung jetzt real ist.
Warum Google einen Milliardenbau in Kajaani stoppte
Google hatte rund 1.400 Hektar Land in Kajaani und Muhos für ein mögliches Milliardenrechenzentrum zusammengekauft und dann angehalten. In einer Stellungnahme erklärte der Konzern, noch keine Investitionsentscheidung getroffen zu haben, und nannte regulatorische Stabilität und planbare Rahmenbedingungen als entscheidende Faktoren. Ein Steuersprung um das 45-Fache ist das Gegenteil von planbar, und er kam, als der Standort noch auf dem Reißbrett lag.
Der Stopp zeigt am deutlichsten, wie die Steuer die Standortrechnung verändert. Finnland warb bei Hyperscalern mit günstigem, sauberem Strom im kühlen Norden, und die ermäßigte Steuerklasse war Teil dieses Versprechens. Ihr Wegfall macht finnischen Strom nicht absolut teuer, nimmt aber jene Sicherheitsmarge, auf die mehrjährige Großbauten kalkuliert werden - und genau diese Sicherheit kauft eine Milliardenzusage.
Wie ein Standort im Norden jetzt aussieht
Die Regierung wendet sich nicht von der Branche ab. Sie hat ein Förderprogramm angekündigt, gestützt auf eine nationale Rechenzentrums-Roadmap und gedeckelt auf das Niveau der alten Steuervergünstigung, mit Start im Herbst 2026. Bis dieser Entwurf vorliegt, klafft eine Lücke: Die Steuer ist höher, die Ersatzförderung nur ein Versprechen - das schlechteste Fenster, um einen langen Mietvertrag zu unterschreiben.
Wer einen Standort im Norden abwägt, sollte das Steuerrisiko einpreisen, nicht nur den Strompreis. Schweden und Norwegen liegen nebenan und locken mit eigenen Anreizen, und eine Politik, die einen Satz in einem Haushaltszyklus um das 45-Fache bewegt, gehört in die Risikospalte neben die Warteschlangen für den Netzanschluss. Die günstigste Kilowattstunde nützt wenig, wenn die Steuer darauf ein Gesetz bestimmt, das sich nicht prognostizieren lässt.
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