Was OnZero und Helen vereinbart haben

OnZero, ein österreichisch-finnischer Entwickler von KI-Rechenzentren, hat mit Helen, dem städtischen Energieversorger, der einen Großteil Helsinkis beheizt, eine Vereinbarung unterzeichnet, um eine neue flüssigkeitsgekühlte KI-Rechenanlage an das städtische Fernwärmenetz anzuschließen. Bekannt wurde der Deal am 1. September 2026 in einer Pressemitteilung über EQS News, zusätzlich berichteten Data Center Dynamics und das italienische Portal BeBeez.

OnZero fängt die von seinen Servern erzeugte Wärme ein und speist sie in Helens bestehende Fernwärmeinfrastruktur ein, dasselbe Netz gedämmter Rohre, das schon heute Wohnungen, Büros und öffentliche Gebäude in der ganzen Stadt versorgt. Helsinki betreibt sein Fernwärmesystem seit den 1950er Jahren, und rund neun von zehn Wohnungen sind bereits angeschlossen, was OnZero einen fertigen Kundenstamm verschafft statt eines Netzes, das erst gebaut werden müsste.

Die Zahlen hinter 525.000 MWh

Die vereinbarte Menge an zurückgewonnener Wärme erreicht bis zu 525.000 MWh pro Jahr, eine Zahl, die OnZero und Helen mit der Beheizung von rund 70.000 Wohnungen gleichsetzen. Dieser Vergleich funktioniert nur, weil Helsinkis Winter eine konstante, gut planbare Wärmelast erfordern, und ein rund um die Uhr laufendes Rechenzentrum genau das liefern kann, anders als wetterabhängige Solar- oder Windwärmequellen.

KennzahlWert
Zurückgewonnene Wärme für das FernwärmenetzBis zu 525.000 MWh pro Jahr
Äquivalent beheizter WohnungenRund 70.000
WärmerückgewinnungsrateBis zu 99%
Vor-Ort-Wasserverbrauch für die KühlungNull (keine Verdunstungskühlung)
Geplanter Betriebsbeginn2027

Eine Rückgewinnungsrate von 99% ist für ein Rechenzentrum jeder Art ungewöhnlich hoch und nur möglich, weil die Anlage direkte Flüssigkeitskühlung statt Luftkühlgeräte nutzt, die den Großteil ihrer Wärme ungenutzt an die Außenluft abgeben.

Eine vorausschauende Antwort auf Europas Wasserdebatte

Das wasserfreie Kühlkonzept begegnet einem regulatorischen Druck, der das Wachstum von KI-Rechenzentren andernorts in Europa bereits gebremst hat. Irlands Netzbetreiber beschränkt seit Jahren neue Rechenzentrumsanschlüsse rund um Dublin, unter anderem wegen Sorgen um knappe Ressourcen, und die Niederlande haben eigene Moratorien für neue Hyperscale-Standorte verhängt, während nationale Ansiedlungskriterien erst entwickelt werden.

Verdunstungskühlung, die Technik, die dieses Konzept vollständig vermeidet, ist der Teil des Fußabdrucks eines Rechenzentrums, der die meiste öffentliche und regulatorische Aufmerksamkeit auf sich zieht, weil er städtisches Trinkwasser verbraucht, das eine Stadt auch für Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung braucht. Mit einem geschlossenen Flüssigkeitskreislauf nimmt OnZero das Wasserthema von der Liste der Einwände, die eine Genehmigungsbehörde oder eine Bürgerinitiative gegen das Projekt vorbringen könnte, noch bevor ein solcher Einwand überhaupt erhoben wird.

Was ein Rechenzentrums-Kunde daraus lernen sollte

Ein Unternehmen, das Kapazität in einem KI-Rechenzentrum sucht oder kauft, hat nun einen konkreten Präzedenzfall, um eine Wärmenutzungsklausel im eigenen Vertrag zu fordern. Diese Klausel braucht drei Dinge, die dieser Deal bereits vorweist: Flüssigkeitskühlung, die Wärme auf nutzbarem Temperaturniveau einfangen kann, physische Nähe zu einem Fernwärmenetz mit freier Kapazität, und einen Versorger, der bereit ist, einen langfristigen Abnahmevertrag für die zurückgewonnene Wärme zu unterschreiben.

Das kommerzielle Potenzial ist real, sollte aber nicht überschätzt werden. Der Verkauf von 525.000 MWh Wärme pro Jahr erzeugt für OnZero Einnahmen oder eine Kostenentlastung, doch der genaue Tarif, den Helen zahlt, wurde nicht offengelegt, sodass der exakte Euro-Wert dieser Entlastung gegenüber der eigenen Strom- und Kühlungsrechnung der Anlage noch nicht öffentlich ist. Öffentlich ist der strukturelle Punkt: Wärme, die früher ungenutzt abgeleitet wurde, ist jetzt eine zweite Produktlinie, und jeder Betreiber, der sie nicht einfangen und verkaufen kann, lässt diese Einnahmequelle liegen.

Der Bauplan der 'AI Heat Factory' für Europa

OnZero positioniert das Helsinki-Projekt als Referenzanlage für das, was das Unternehmen sein 'AI Heat Factory'-Modell nennt, ein Konzept, das es eigenen Angaben zufolge an weiteren europäischen Standorten wiederholen will. Das Unternehmen versteht dieses Modell weniger als grünes Extra denn als Standardform, die ein großes KI-Rechenzentrum annehmen sollte, sobald es nahe einer Stadt mit bereits vorhandener Fernwärmeinfrastruktur liegt.

Helsinki liefert OnZero eine starke erste Referenz gerade weil Helens Netz groß, ausgereift und bereits fest in die Energieplanung der Stadt eingepreist ist, was den technischen Nachweis erleichtert und den kommerziellen Fall in Städten wie Stockholm, Kopenhagen oder Wien mit ähnlicher Fernwärmeabdeckung leichter wiederholbar macht.

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