Zwei Flaggschiff-Chips, eine Ankündigung

Qualcomm hat am 22. September auf seinem Snapdragon Summit in Maui gleich zwei neue Flaggschiff-Chips vorgestellt, und keiner davon ist nur ein schnelleres Modell des Vorjahres.

Der Snapdragon 8 Elite Gen 6 und der teurere Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 laufen beide auf einem 2-Nanometer-Prozess von TSMC, beide besitzen eine neue Acht-Kern-CPU namens Oryon mit zwei Prime-Kernen bei 5,00 GHz, und beide wurden um einen neuen gemeinsamen Cache namens FlexCache herum entworfen, der verhindert, dass KI-Agenten zwischen einzelnen Schritten ins Stocken geraten.

"Heute ist ein Meilenstein, weil wir nicht eine, sondern zwei neue Flaggschiff-Plattformen vorstellen, die unmittelbare, persönliche und anpassungsfähige agentenbasierte KI-Erlebnisse liefern", sagte Chris Patrick, der bei Qualcomm für das Mobiltelefongeschäft verantwortlich ist. Telefone mit den beiden Chips sollen bis 2027 von Honor, iQOO, Motorola, OnePlus, Oppo, Redmi, RedMagic, vivo und Xiaomi auf den Markt kommen.

Die Aufteilung, die niemand verlangt hat

Qualcomm hat sein Flaggschiff aus einem Grund in zwei Chips aufgeteilt, der nichts mit Leistung, aber alles mit Speicher zu tun hat.

Die weltweite DRAM-Versorgung wird seit über einem Jahr von KI-Rechenzentren abgezogen, und mobiler Arbeitsspeicher ist dabei auf der Strecke geblieben. Qualcomms eigener Umsatz mit Handy-Chips fiel im dritten Geschäftsquartal um 20 Prozent, weil Hersteller auf günstigere Bauteile auswichen, und bereits am 1. September hatte das Unternehmen die Snapdragon-Preise zweistellig erhöht, um seine eigenen steigenden Speicher- und Waferkosten aufzufangen.

Der Doppelstart löst dasselbe Problem auf andere Weise. Der Standard-Chip Snapdragon 8 Elite Gen 6 bleibt beim älteren LPDDR5X-Speicher, während nur das Extreme-Modell auf LPDDR6 umsteigt, ein Format, das kaum in Stückzahlen verfügbar ist. Dieser Unterschied lässt Hersteller einen günstigeren Weg zu einem 2-Nanometer-Flaggschiff finden, ohne den Preis des neuesten, knappsten Speichers auf jedem einzelnen Gerät zu zahlen.

Was sich zwischen den beiden Chips wirklich unterscheidet

Der Abstand zwischen den beiden Chips ist größer, als die Namen vermuten lassen, und zeigt sich vor allem bei Speicher und KI.

MerkmalSnapdragon 8 Elite Gen 6Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6
Fertigungsprozess2nm, TSMC N22nm, TSMC N2
SpeicherstandardLPDDR5XLPDDR6
Hexagon-NPU-Zuwachs ggü. Gen 514%35%
Eigener GPU-SpeicherKeine18 MB
Größtes KI-Modell auf dem GerätNicht angegeben30 Milliarden Parameter (etwa 3 Milliarden aktiv pro Antwort)
Videoaufnahme8K mit 30 fps, 4K mit 120 fps8K mit 60 fps, Hardware-H.266-Decoder

Die 30-Milliarden-Parameter-Zahl des Extreme-Chips ist nur möglich, weil er auf einem Mixture-of-Experts-Design beruht, bei dem ein Routing-System für jede einzelne Antwort nur etwa 3 Milliarden Parameter statt des gesamten Modells aktiviert, sodass das Telefon nie die 15 bis 30 Gigabyte Speicher braucht, die ein Modell dieser Größe sonst verlangen würde.

Warum diese Wette mehr zählt als der Chip selbst

Eine Preiserhöhung ist eine vorübergehende Entscheidung. Eine neue Chip-Familie ist es nicht.

Qualcomms Aufschlag vom 1. September war die einfache Variante, Speicherkosten weiterzugeben, angewendet auf ein Chipdesign, das es bereits gab. Ein Flaggschiff in zwei eigenständige Chips aufzuteilen, einen für einen Speicherstandard, der erst anläuft, und einen bewusst beim älteren, günstigeren Standard belassen, ist eine mehrjährige Festlegung, die getroffen wurde, bevor auch nur ein Gerät auf den Markt kam. Chip-Roadmaps wie diese werden 18 bis 24 Monate vor dem Start festgelegt, was bedeutet, dass Qualcomm bereits auf einen dauerhaften Speicherengpass gesetzt hat, als das eigene Management den Mangel in einer Telefonkonferenz noch als vorübergehenden Kostendruck beschrieb.

IDCs eigene Prognose bestätigt das Ausmaß dieser Wette. Der durchschnittliche Smartphone-Preis soll 2026 auf 581 US-Dollar steigen, ein Plus von 27,6 Prozent binnen eines Jahres, und Counterpoint Research erwartet, dass allein die Kombination aus Chip- und Speicherkosten Premium-Android-Geräte um 150 bis 200 US-Dollar verteuert.

Was das für jeden bedeutet, der 2027 Android kauft oder beschafft

Wer 2027 ein Flaggschiff-Android-Telefon budgetiert, ob privat oder für eine Firmenflotte, sollte den Standard- und den Extreme-Chip als zwei verschiedene Preisklassen behandeln, nicht als zwei Versionen desselben Telefons.

Ein Telefon mit dem Extreme-Chip trägt den neueren, knapperen LPDDR6-Speicher, und dessen Kosten schlagen sich unabhängig vom Hersteller im Verkaufspreis nieder. Ein Telefon mit dem Standard-Chip Gen 6 ist Qualcomms eigene Antwort für Hersteller, die ein 2-Nanometer-Flaggschiff unter dieser Kostengrenze halten wollen, und zwei Telefone mit 150 Euro Preisunterschied müssen nicht denselben Chip verwenden, nur weil beide als Flaggschiff beworben werden.

In Deutschland zählen Xiaomi und Motorola neben Samsung schon heute zu den meistverkauften Android-Marken, sodass diese Aufteilung ganz normale Käuferinnen und Käufer direkt betrifft, nicht nur Importeure.