Ein Signal über 13 Millionen Euro, keine spektakuläre Großrunde
BGF, ein auf Großbritannien und Irland fokussierter Wachstumskapitalinvestor, hat eine Minderheitsbeteiligung von 13 Millionen Euro an Redfaire übernommen, einem auf Oracle-ERP und Cloud-Services spezialisierten Beratungsunternehmen mit Sitz in Limerick, Irland. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter und betreut namhafte Großkunden in Irland, Großbritannien, auf dem europäischen Festland und in Nordamerika.
Für ein Beratungsunternehmen dieser Größe ist eine Investition in dieser Höhe keine Kapitalspritze im Silicon-Valley-Stil, sondern ein gezielter Schritt in einem unauffälligen, aber geschäftskritischen Nischenmarkt: Unternehmen mit geschäftskritischen ERP-Systemen zuverlässig am Laufen zu halten. Genau diese Unauffälligkeit macht die Nachricht für IT-Verantwortliche relevanter, als es die Schlagzeile vermuten lässt.
Warum gezielte Übernahmen die eigentliche Geschichte sind
Die geplante Verwendung von BGFs Kapital, internationale Expansion, Weiterentwicklung des Angebots und gezielte Übernahmen, deutet auf eine Konsolidierungsstrategie hin und nicht auf eine einmalige Finanzierungsrunde. Redfaire hat diesen Weg bereits vor der aktuellen Runde eingeschlagen und mit der Übernahme von eKal Solutions Kompetenzen in Personalwesen, Unternehmensplanung, Finanzwesen und Lieferkettenmanagement hinzugewonnen.
Auch die Berufung von Glenn Timms zum nicht geschäftsführenden Vorsitzenden über BGFs Talent Network passt in dieses Bild: Ein Unternehmen, das sich für weiteres Wachstum durch Zukäufe aufstellt, braucht auch die passende Führungsstruktur dafür. Für Kunden bedeutet das: Die Firma, mit der sie heute einen Vertrag unterschreiben, kann in achtzehn Monaten ein anderes Unternehmen sein.
Was sich für Unternehmen mit Oracle-ERP-Betrieb ändert
Ein Unternehmen, das auf Redfaire oder einen ähnlichen spezialisierten Oracle-Dienstleister angewiesen ist, um sein ERP-System am Laufen zu halten, hat jetzt eine neue Variable im Blick zu behalten: die Eigentümerstruktur. Bleibt das Team gleich, bleiben die Preise stabil, bleibt der gewohnte Ansprechpartner erreichbar, oder geht der Dienstleister in einem größeren, von Investoren finanzierten Zusammenschluss auf?
Keine dieser Fragen bedeutet, dass die Übernahme schlecht für Kunden ist, Konsolidierung kann auch mehr Kapazität und breitere Fähigkeiten bedeuten. Aber sie bedeutet, dass Stillschweigen keine sichere Annahme mehr ist und ein Kunde aktiv nachfragen sollte, statt sich auf Kontinuität zu verlassen.
Die Fragen, die ein ERP-Verantwortlicher jetzt stellen sollte
Aus dieser Art von Investition ergeben sich zwei praktische Fragen, die sich lohnen, bei jedem Oracle-Dienstleister vor der nächsten Vertragsverlängerung zu stellen. Wird sich das Preismodell ändern, wenn der Dienstleister Wachstumsziele gegenüber Investoren erfüllen muss, statt wie bisher stabile, gründergeführte Wirtschaftlichkeit zu verfolgen?
Ist das aktuelle Team, das die eigene ERP-Umgebung betreut, langfristig gesichert, oder könnte es im Zuge einer Übernahme in ein größeres, weniger persönliches Serviceteam aufgehen? Wer diese Fragen jetzt stellt, verhandelt aus einer stärkeren Position, als wer erst reagiert, wenn der neue Rahmenvertrag schon auf dem Tisch liegt.
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