Gates: Es gibt keinen Plan für diesen Übergang
Bill Gates warnte in einem am 26. August 2026 veröffentlichten Axios-Interview, dass der KI-Übergang ohne institutionellen Plan komme. Seine Formulierung ist deutlich: "KI wird entweder der größte Gleichmacher aller Zeiten sein oder die schlimmste Quelle von Ungerechtigkeit", und seiner Ansicht nach gebe es "keinen Plan, den Einstieg in die KI-Ära zu erleichtern".
Er erwartet, dass Bürojobs zuerst verschwinden: Kundensupport, Softwareentwicklung und Anwaltsgehilfen, während Bauwesen und Gastgewerbe bis zum Ende des Jahrzehnts zunehmend auf Robotik umsteigen. Besonders die Generation Z sei betroffen, da genau die Einstiegsjobs verschwinden, die sie für den Berufseinstieg braucht.
Mehr als Jobs: Kriminalität, Biogefahr und Kinder
Gates weitete die Warnung über die Beschäftigung hinaus aus. Zur Kriminalität sagte er, "selbst Kriminelle mit sehr begrenzten Fähigkeiten werden Opfer in jedem Maßstab angreifen können", und verwies auf KI-gestützten Betrug, Deepfakes, Desinformation und Überwachung als Fähigkeiten, die keine Expertise mehr voraussetzen. Bei der Biosicherheit warnte er, dass dieselben Systeme, die die Medikamentenentwicklung beschleunigen, auch die Hürde für die Entwicklung gefährlicher Erreger senken.
Bei Kindern befürchtet Gates, KI-Begleiter könnten "die Entwicklung unserer Kinder hemmen und menschliche Beziehungen ersetzen". Sie seien darauf ausgelegt, zuzustimmen statt herauszufordern, wie es Eltern, Lehrer oder Freunde tun würden, was er als Rezept für etwas "hochgradig Suchterzeugendes" statt entwicklungsförderndes bezeichnete.
Die Lösung: "Menschenreservate" und eine Token-Steuer
Gates' erster Vorschlag entlehnt die Sprache des Naturschutzes: "Human Reserved Jobs", Berufe, die eine Gesellschaft bewusst Menschen vorbehält, selbst wenn KI sie technisch ausüben könnte, ähnlich wie ein Naturreservat Land vor Bebauung schützt, weil das, was dort ist, erhaltenswert ist. Als klare Fälle nannte er Kinderbetreuung und Geschworenendienst, und er sagte Axios, er könne sich vorstellen, anfangs bis zu 40 Prozent der Jobs so zu reservieren, mit dem Zusatz: "mehr schaffe ich nicht."
Sein zweiter Vorschlag zielt auf eine steuerliche Schieflage: Ein Unternehmen, das einen Menschen einstellt, zahlt Lohnnebenkosten, während ein Unternehmen, das einen Roboter oder ein KI-System kauft, die Kosten absetzt. Gates will eine Steuer auf KI-Tokens, um diese Lücke zu schließen, wobei rund die Hälfte der Einnahmen Umschulung und Unterstützung für verdrängte Arbeitnehmer finanzieren soll.
Was das für einen europäischen Arbeitgeber bedeutet
Die aktuelle EU-Antwort auf KI-Risiken ist der AI Act, ein Regelwerk aus Offenlegungs- und Sicherheitsprüfpflichten, das seit dem 2. August 2026 vollständig durchgesetzt wird, zusätzlich zu staatlichen Mitteln, die bereits in heimische Labore wie Frankreichs Mistral und Deutschlands Aleph Alpha fließen. Nichts davon ist eine Steuer auf Automatisierung oder eine gesetzliche Jobreservierung für Menschen; es regelt, wie Modelle gebaut und offengelegt werden, nicht wie viele Menschen ein Unternehmen ersetzen darf.
Gates ist damit die prominenteste Tech-Figur, die argumentiert, KI-Verdrängung brauche das gleiche schroffe fiskalische Instrument wie beim CO2, eine Steuer, die die zugrunde liegende Ökonomie verändert, statt freiwilliger Umschulungszusagen. Nichts in Brüssel deutet derzeit in diese Richtung, doch jeder Arbeitgeber, der KI-bedingte Personaleinsparungen bereits ins nächste Budget eingeplant hat, sollte beobachten, ob eine Token-Steuer ähnlich an Fahrt gewinnt wie einst der CO2-Grenzausgleich, denn sie würde genau die bereits verbuchten Automatisierungsersparnisse treffen.
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