Vier Städte, ein Quantennetz

In München teilt sich ein supraleitender Quantenprozessor namens Euro-Q-Exa den Maschinenraum mit einem der größten Supercomputer Europas. Bei Paris läuft ein photonisches System namens Lucy mit Licht statt mit elektrischen Schaltkreisen. In Posen hält Piast-Q seine Qubits in gefangenen Ionen, und in Ostrava betreibt VLQ ein zweites supraleitendes Design. Vier Städte, vier Technologien, ein Netz: die Quanteninfrastruktur, die die EuroHPC Joint Undertaking über Jahre in der gesamten Europäischen Union aufgebaut hat.

Am 25. Juni 2026 erklärte die EuroHPC Joint Undertaking, sie öffne den freien Pilotzugang zu diesem Netz. Die erste Bewerbungsfrist, der 1. August 2026, ist bereits verstrichen. Das Angebot ist kein Plan mehr auf einer Roadmap-Folie. Es ist ein arbeitendes System, das eine europäische Forschungsgruppe, Behörde oder Firma schon heute beantragen kann.

Was der Pilotzugang wirklich bietet

Der Quantum Access Pilot Mode steht, so die EuroHPC Joint Undertaking, allen Nutzerkategorien offen: Wissenschaft, öffentlicher Sektor und Industrie. Anträge laufen über das EuroHPC-Zugangsportal und sind für eine bestimmte Art von Arbeit gedacht: Leistungsdaten sammeln, prüfen, ob eine Methode auf echter Hardware läuft, Code und Algorithmen entwickeln, Arbeitsabläufe bauen und Personal an Quantensystemen schulen. Es ist kein Produktionsvertrag, sondern ein begleiteter, dokumentierter Weg herauszufinden, was diese Maschinen für ein konkretes Problem leisten können.

Die Ausschreibung bleibt laufend offen, mit einer neuen Frist jeweils am Ersten jedes Monats bis Dezember 2026: August, September, Oktober, November, Dezember, jeweils um 10:00 Uhr MESZ. Wer erfolgreich ist, erhält innerhalb von zwei Wochen nach der Frist Zugang, für ein Projekt von drei oder sechs Monaten Länge, mit Quantenrechenzeit, die je System zugeteilt wird. Ein Team, das sich für die Septemberfrist bewirbt, könnte noch vor Jahresende Code auf souveräner europäischer Hardware laufen lassen.

Acht Maschinen finanziert, zwei weitere in Planung

Die vier für den Pilotzugang geöffneten Maschinen sind Teil eines größeren Ausbaus. Die EuroHPC Joint Undertaking hat sechs Quantencomputer direkt finanziert und zwei weitere über das Projekt HPCQS mitfinanziert, eine EU-Initiative, die Quantenprozessoren mit bestehenden Supercomputern koppelt. Zwei zusätzliche Systeme sind nun für die Niederlande und Luxemburg geplant, wobei die Beschaffung für die luxemburgische Maschine Ende Juli 2026 bereits begonnen hat.

Keines davon ist ein einzelnes Vorzeigeprojekt. Es ist ein verteiltes Netz, das bewusst über Mitgliedstaaten gestreut ist statt in einem einzigen nationalen Labor konzentriert zu sein, damit der Zugang zu souveräner Quantenhardware nicht vom Haushalt einer einzelnen Regierung oder vom Überleben eines einzelnen Anbieters bis zum nächsten Förderzyklus abhängt.

Die Entscheidung, vor der eine europäische Technikleitung jetzt steht

Für eine Technikleitung, die die Rechenstrategie fürs nächste Jahr entwirft, bedeutete Quantenzugang bisher meist eines: Rechenzeit auf einer US-Cloud-Plattform mieten, zunehmend auch auf einer chinesischen. Dieser Standardweg war eigentlich keine Wahl, sondern die einzige Warteschlange im Raum. Der Pilotaufruf von EuroHPC ändert die Rechnung: Eine kostenlose, europäisch gehostete Alternative existiert jetzt, ohne Beschaffungsverhandlung, ohne Unklarheit bei Exportkontrollen und ohne Abhängigkeit von der Preisgestaltung oder Verfügbarkeit einer ausländischen Plattform.

Das ist kein Argument dafür, dass diese vier Maschinen bereits einen ausgereiften kommerziellen Quantendienst übertreffen. Die Qubit-Zahlen liegen hier noch im zweistelligen, nicht im vierstelligen Bereich, und der Pilotmodus existiert genau deshalb, weil die Hardware noch charakterisiert wird. Das Argument ist enger und nützlicher: Bevor ein Haushaltsposten für 2027 standardmäßig um ein ausländisches Cloud-Abonnement herum geschrieben wird, hat eine europäische Forschungsgruppe oder Technikleitung jetzt einen echten, kostengünstigen Weg, noch in diesem Jahr herauszufinden, was souveräne Quantenhardware für die eigene Arbeitslast leisten kann.

Die Uhr läuft bereits

Die erste Kohorte von Pilotnutzern befindet sich bereits im zweiwöchigen Zugangsfenster nach der Frist vom 1. August. Die nächste Chance ist der 1. September, danach jeweils der Erste jedes Monats bis Dezember. Jede verpasste Frist ist weniger eine verlorene Gelegenheit als eine Verzögerung um genau einen Monat, aber für ein Team, das noch überlegt, ob sich eine Bewerbung lohnt, summiert sich diese Verzögerung gegen einen Zeitplan, der nur bis Jahresende läuft.

Europa hat vier arbeitende Quantencomputer gebaut, in vier Ländern, mit drei verschiedenen Arten von Qubits. Jetzt hat es das weniger glanzvolle getan: die Tür geöffnet und erklärt, wie man hindurchgeht.