Ein Preisschild in Belgien bringt den Markt durcheinander

Am 5. August 2026 öffnete das belgische Händlernetz von Geely Auto Europe die Reservierung für den E2, einen kompakten Elektro-Kleinwagen, der 2025 und im ersten Halbjahr 2026 nach Stückzahlen Chinas meistverkauftes Auto war. Europäische Kundinnen und Kunden, die chinesische E-Autos meist deutlich über 21.490 Euro einsortiert hatten, schauten zuerst auf die Zahl auf dem Bestellformular: einen Einführungspreis von 19.490 Euro.

Der Normalpreis nach Ablauf des Einführungsangebots liegt bei 21.490 Euro. Selbst zu diesem höheren Preis liegt der E2 nahe an den günstigsten in der EU verkauften E-Autos, und schon der Einführungspreis unterbietet jeden aktuell in Belgien erhältlichen chinesischen Mitbewerber.

Der Preis, der BYD unterbietet

Entscheidend ist der Vergleich, nicht nur die Zahl selbst: Der BYD Dolphin Surf, ohnehin schon eines der aggressiver bepreisten chinesischen E-Autos in Belgien, startet dort bei 20.475 Euro. Geelys Einführungspreis von 19.490 Euro unterbietet ihn um rund 1.000 Euro und macht den E2 zum günstigsten bekannten chinesischen E-Auto-Modell auf dem belgischen Markt.

Preis und Marktstart wurden zuerst von CarNewsChina berichtet, das den Vertriebsleiter von Geely Europe namentlich zitierte, und anschließend von Automotive News sowie dem italienischen Portal Vaielettrico bestätigt. Geelys eigene EU-Website geelyauto.eu zeigt für den E2 derzeit nur eine allgemeine Coming-Soon-Seite ohne veröffentlichten Preis - eine Lücke, die bei einer unabhängigen Prüfung der Zahl auffällt.

Chinas Bestseller in Zahlen

Die Referenzen des E2 sind keine Marketingaussage. Geely verkaufte 2025 in China 465.775 Einheiten des E2 und im ersten Halbjahr 2026 weitere 194.159 Einheiten - ein Volumen, das ihn in beiden Zeiträumen zu Chinas meistverkauftem Auto insgesamt machte, nicht nur zum meistverkauften E-Auto.

Drei Ausstattungslinien kommen nach Belgien. Die Einstiegsversion Pro trägt eine 35-kWh-Batterie für 252 km WLTP-Reichweite, während Max und Ultra auf eine 47-kWh-Batterie und 345 km WLTP-Reichweite aufsteigen - bescheiden nach europäischem Familienwagen-Maßstab, aber genau ausgelegt auf die kurzen Stadt- und Pendelstrecken, für die ein 19.490-Euro-Kleinwagen gedacht ist.

Innerchinesischer Wettbewerb, nicht nur China gegen Europa

Die naheliegende Lesart dieses Marktstarts lautet China gegen Europa: ein weiteres günstiges chinesisches E-Auto setzt europäische Hersteller unter Druck, die zu diesen Kosten nicht bauen können. Diese Lesart stimmt, ist aber unvollständig. Das genauere Signal ist, dass Geely gezielt BYD unterbietet und nicht nur Renault oder Volkswagen - der Preiskampf, der seit zwei Jahren in chinesischen Autohäusern tobt, exportiert sich damit direkt in den EU-Einzelhandel, Marke gegen Marke.

Auch die Wahl des Einstiegsmarkts ist bezeichnend. Belgien weist eine geringere Verzerrung durch E-Auto-Kaufsförderung auf als mehrere andere EU-Länder, sodass ein dort festgelegter Preis näher an einem echten, unsubventionierten Marktpreis liegt als ein auf ein Förderfenster getimter Start. Dass Geelys eigene Website die Zahl noch nicht zeigt, ist ein kleiner Vorbehalt, kein Grund zum Zweifel: Der Preis wurde vom Vertriebsleiter von Geely Europe namentlich bestätigt und unabhängig von zwei weiteren Medien berichtet.

Was EU- und UK-Unternehmen jetzt tun sollten

Für jedes Unternehmen, das eine E-Flottenbeschaffung plant, ist das belgische Reservierungsfenster des E2 - geöffnet am 5. August 2026, Auslieferung ab September 2026 - schon jetzt ein realer Preis-Richtwert für den nächsten Angebotsvergleich, noch bevor das Fahrzeug in Stückzahl auf den Höfen der Händler steht. Der im Oktober 2026 folgende Marktstart in Italien zeigt, dass Geely einen breiteren EU-Rollout plant, keinen Test in nur einem Markt.

Für ein Autohaus oder einen Importeur, der die Marge konkurrierender Stadt-E-Autos kalkuliert, sind 19.490 Euro in Belgien nun die Zahl, gegen die kalkuliert wird, und der Abstand zu BYDs 20.475 Euro zeigt, dass die Preisuntergrenze innerhalb des chinesischen E-Auto-Segments selbst weiter sinkt. Wer ein in der EU gefertigtes Konkurrenzprodukt aufbaut, sollte sich nicht fragen, ob man 19.490 Euro erreichen muss, sondern welche Merkmale oder welches Servicemodell den Unterschied gegenüber einem Käufer rechtfertigen, der diese Zahl nun kennt.