Die Bank in dieser Geschichte ist nicht X
Am 27. Juli verließ X Money die Beta-Phase mit Einladung und öffnete für Premium- und Premium-Plus-Abonnenten in den Vereinigten Staaten. Beworben werden bis zu 6 Prozent Jahreszins auf Guthaben, eine Visa-Debitkarte aus Metall mit dem eigenen Handle, 3 Prozent Cashback auf Kartenumsätze, sofortige Überweisungen an ein X-Handle, gebührenfreier Zugang zu Geldautomaten und eine Startgutschrift von 15 Dollar. Eine virtuelle Karte wird automatisch ausgestellt und lässt sich am Tag der Anmeldung in Apple Wallet laden.
Die Cross River Bank teilte am selben Tag mit, dass sie das Institut hinter alldem ist. Nach eigener Darstellung ist sie ein Anbieter technischer Infrastruktur für eingebettete Finanzlösungen, und was sie für X bereitstellt, sind FDIC-versicherte verzinsliche Konten, die Visa-Debitkarte und die übrige Zahlungsfähigkeit. Sie nennt X die erste Social-Media-Plattform der Vereinigten Staaten mit eingebetteten Zahlungen zwischen Nutzern. X hält Lizenzen als Geldübermittler in mehr als 40 Bundesstaaten und in Washington DC, weshalb der Start 41 Staaten plus DC erreicht und New York sowie Massachusetts auslässt.
Diese Arbeitsteilung ist das eigentliche Produkt. X besitzt die Oberfläche, die Adressierung über Handles und die Abonnementbeziehung. Cross River besitzt die Banklizenz, das Einlagenkonto und die aufsichtsrechtliche Pflicht. Wenn Geld in X Money fließt, ist X nicht die Stelle, die es hält.
Zehn Millionen Dollar sind ein Netz, keine Garantie
Die Zahl von 10 Millionen Dollar Einlagensicherung leistet im Marketing die meiste Arbeit und verdient deshalb die genaueste Betrachtung. Der übliche FDIC-Schutz in den Vereinigten Staaten beträgt 250.000 Dollar je Einleger, je versicherter Bank und je Kontoart. Keine einzelne Bank bietet 10 Millionen.
Die größere Zahl entsteht durch eine automatische Verteilung. Das Guthaben liegt nicht auf einem Konto bei einer Bank, sondern wird über ein Netz von Partnerinstituten in Teilbeträge gestreut, die jeweils unter der Grenze von 250.000 bleiben, und der beworbene Schutz ist die Summe dieser Teile. Das ist im US-Bankwesen eine zulässige und verbreitete Konstruktion, und sie hält, was sie verspricht. Sie bedeutet aber auch, dass die Liste der Banken, die das Geld halten, für den Kunden weder sichtbar noch selbst gewählt noch dauerhaft festgelegt ist.
Die 6 Prozent haben eine ähnliche Form. Bis zu 6 Prozent gelten für Premium Plus, die oberste Stufe für 40 Dollar im Monat oder 395 im Jahr, während Premium-Abonnenten denselben Satz erst nach Erfüllung von Bedingungen zum Gehaltseingang erreichen. Eine Rendite, die ein Abonnement freischaltet, ist nicht dasselbe Instrument wie ein Zins, den eine Bank für eine Einlage zahlt, auch wenn auf dem Bildschirm dieselbe Prozentzahl steht.
An Artikel 12 scheitert dieses Produkt in Europa
Verlegt man dasselbe Produkt nach Europa, funktioniert es nicht mehr, und zwar aus einem klar geregelten Grund. Artikel 12 der E-Geld-Richtlinie untersagt die Gewährung von Zinsen oder anderen Vorteilen, die an die Dauer geknüpft sind, während der ein Inhaber das E-Geld hält. Keine Obergrenze, sondern ein Verbot. Ein in Frankfurt, Dublin oder Vilnius zugelassenes E-Geld-Institut darf Kundengelder halten, die Karte ausgeben und Zahlungen ausführen, und es darf keinen einzigen Basispunkt dafür zahlen, dass ein Guthaben liegen bleibt.
Die Sicherungsvorschriften weisen in dieselbe Richtung. Ein E-Geld-Institut nimmt keine Einlagen entgegen. Es sichert Kundengelder auf getrennten Konten oder in sicheren, risikoarmen Aktiva, außerhalb der eigenen Bilanz, gerade damit sie nicht verliehen werden. Geld, das nicht verliehen wird, erzeugt auch nicht die Zinsmarge, aus der sich 6 Prozent bezahlen ließen. Die europäische Schutzsumme unterscheidet sich zudem in der Art, nicht nur in der Höhe: Die Richtlinie über Einlagensicherungssysteme deckt 100.000 Euro je Einleger und Bank, und sie deckt Bankeinlagen, nicht gesichertes E-Geld.
Eine europäische Fassung dieser App hat daher zwei ehrliche Formen. Sie kann ein E-Geld-Institut mit guter Karte, schnellen Überweisungen und gar keinen Zinsen sein. Oder sie kann eine Bankpartnerschaft sein, dann sitzt ein zugelassenes Kreditinstitut auf der Gegenseite, sein Name gehört in die Kundenbedingungen, und die Einlagensicherung hängt an dieser Bank statt an der App, die der Kunde geöffnet hat.
Die Frage vor dem Kopieren der Vorlage
Für alle, die in Europa Embedded Finance bauen oder einkaufen, ist dieser Start ein lehrreiches Muster und keine Bauanleitung. Was sich übertragen lässt, sind die Bedienideen: eine Zahlung an ein Handle statt an eine IBAN adressieren, bei der Anmeldung sofort eine virtuelle Karte ins Telefon-Wallet legen und das Konto in ein Abonnement einbinden, das das Unternehmen ohnehin verkauft.
Was sich nicht übertragen lässt, ist die Verzinsung, und die Verzinsung ist das Laute am amerikanischen Produkt. Jedes europäische Angebot, das einen Zinssatz auf ein gespeichertes Guthaben bewirbt, verrät damit etwas über seine Struktur, nämlich dass ein Kreditinstitut dahintersteht. Finden Sie heraus, welches, zu welchen Bedingungen, und ob der Kunde mit dieser Bank oder mit Ihnen den Vertrag schließt.
Drei Punkte gehören vor der Unterschrift in die Akte. Welche Einheit hält Kundengelder und unter welcher Lizenz. Ob der gegenüber Kunden genannte Schutz eine Einlagensicherung oder eine Sicherung von Kundengeldern ist, denn beide versagen auf unterschiedliche Weise. Und wessen Name in den Kundenbedingungen steht, wenn eine Zahlung hängt, denn diesen Namen sucht der Kunde, sobald das Geld nicht ankommt. In Deutschland führt die BaFin das Register der zugelassenen E-Geld-Institute, und ein Blick hinein beantwortet die erste Frage in wenigen Minuten.
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