Ein neues Gesetz beendet das Windhundprinzip

Dänemarks Ministerium für Klima, Energie und Versorgung veröffentlichte am 20. August 2026 ein Notgesetz namens Prioritering af kapacitet i elnettet (Priorisierung der Netzkapazität), das das bisherige Windhundprinzip beim Netzanschluss durch ein System mit vier Prioritätsstufen ersetzt und Rechenzentren dabei an die letzte Stelle setzt.

Die vier Kategorien reihen zunächst steigende Nachfrage bestehender Kunden sowie neuer Haushalte und Kleinbetriebe ein, gefolgt von Projekten für Elektrifizierung und grüne Transformation. An dritter Stelle stehen Batteriespeicher, auch jene an Solar- und Windparks, und an vierter Stelle sehr große Stromverbraucher wie Rechenzentren, deren Rang zusätzlich davon abhängt, wie flexibel sie ihren Bedarf an Netzengpässe anpassen. Die politische Einigung zum Gesetz wurde am 29. Juni 2026 erzielt, eine öffentliche Anhörung lief vom 1. bis 28. Juli 2026 vor der Veröffentlichung.

Energinet rationierte schon vor dem Gesetz

Dänemarks Netzbetreiber Energinet stoppte bereits ab dem 1. Februar 2026 neue Vereinbarungen für Grossverbraucher-Anschlüsse und schaffte damit das Windhundprinzip für große Anschlüsse Monate vor dem Notgesetz ab, das diese Rationierung gesetzlich verankerte.

Das Ausmass der Warteschlange erklärt die Dringlichkeit: Rund 60 Gigawatt an geplanten Projekten warten in dänischen Anschluss-Warteschlangen, gegenüber einer dänischen Spitzenlast von nur etwa 7 Gigawatt. Manche großen Projekte in der Warteschlange rechnen mit Wartezeiten von fünf bis zehn Jahren bis zum vollen Netzanschluss, unabhängig davon, wo sie das neue Gesetz einordnet.

Eine Vorlage für andere netzknappe EU-Märkte

Dänemark hat eine informelle Rationierungspraxis in eine verbindliche gesetzliche Rangordnung verwandelt, und dieser Schritt reicht weit über die eigenen Grenzen hinaus. Netzknappe Märkte anderswo in der EU, die bislang auf informelle Verzögerungen und Ausschreibungsstopps setzten, haben nun eine funktionierende gesetzliche Vorlage, um Grossverbraucher wie Rechenzentren formal hinter Haushalte und grüne Projekte zurückzustufen.

Auch Deutschland kennt das Problem: Deutsche Netzbetreiber melden seit Jahren einen wachsenden Stau bei Anschlussanfragen von Rechenzentren und Industriebetrieben, auch wenn ein eigenes Prioritätsgesetz bislang fehlt. Für einen EU- oder UK-Eigentümer, der ein Rechenzentrum oder eine KI-Rechenkapazität in Nordeuropa plant, lautet die praktische Lehre, Netzanschlusszeiten künftig auf Basis einer formalen rechtlichen Nachrangigkeit zu planen, nicht mehr nach dem Windhundprinzip.

Die Warnung der Ministerin hinter dem Gesetz

Klima-, Energie- und Versorgungsministerin Samira Nawa sagte, die Reform sei notwendig, weil, in ihren Worten, unser Stromnetz unter Druck stehe und drohe, unsere grüne Transformation und Entwicklung zum Stillstand zu bringen.

Das Gesetz wurde von einer breiten Mehrheit der Parteien im dänischen Parlament getragen, nach einer politischen Einigung am 29. Juni 2026 und einer vierwöchigen öffentlichen Anhörung, die am 28. Juli 2026 endete. Die rund dreiwöchige Spanne zwischen dem Ende dieser Anhörung und der Veröffentlichung zeigt, wie dringend die Regierung die neue Rangordnung in Kraft setzen wollte.