Vier Quartale abwärts, und das fünfte ist so prognostiziert
Microsoft legte am 29. Juli sein viertes Geschäftsquartal vor, die drei Monate bis zum 30. Juni 2026. Der Umsatz mit Xbox-Hardware fiel gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent. Der Umsatz mit Inhalten und Diensten der Xbox fiel um 10 Prozent. Der gesamte Xbox-Umsatz kam auf etwa 4,98 Milliarden Dollar gegen etwa 5,53 Milliarden ein Jahr zuvor, und im vollen Geschäftsjahr lag der Xbox-Umsatz bei etwa 21,79 Milliarden, ein Minus von 7 Prozent, bei Inhalten und Diensten minus 5 Prozent über das Jahr. Das sind rund 1,6 Milliarden Dollar Jahresumsatz, die weg sind.
Es war das vierte Quartal hintereinander mit fallendem Xbox-Umsatz. Das Segment More Personal Computing, in dem die Sparte sitzt, fiel um 4 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar, währungsbereinigt um 5 Prozent, bei einem operativen Segmentergebnis von 2,748 Milliarden. Der Umsatz mit Windows OEM und Geräten fiel um 7 Prozent. Für das Septemberquartal prognostiziert Microsoft bei Inhalten und Diensten der Xbox ein weiteres Minus von 4 bis 6 Prozent, bei ebenfalls erwartetem Rückgang der Hardware.
Zwei Preiserhöhungen hielten die Hardware nicht
Microsoft erhöhte die Preise der Xbox-Konsolen am 1. Mai 2025 in den meisten Regionen und hob die US-Preise am 3. Oktober 2025 ein zweites Mal an. Beide Erhöhungen galten damit im gesamten Berichtsquartal, und die erste griff in den europäischen Märkten. Der Hardware-Umsatz fiel trotzdem um 13 Prozent.
Diese Kombination hat eine rechnerische Folge, die man klar benennen sollte. Umsatz ist Preis mal Stückzahl. Wenn der durchschnittliche Preis je Konsole gestiegen ist und der damit erzielte Umsatz um 13 Prozent gefallen ist, dann ist die Zahl der verkauften Konsolen um mehr als 13 Prozent gefallen. Die veröffentlichte Prozentzahl untertreibt den Mengenrückgang, und die Menge entscheidet darüber, wie viele Geräte 2027 und 2028 existieren, an die man Software verkaufen kann.
Der Konzern wuchs um 18 Prozent, während das Spielegeschäft schrumpfte
Dieselbe Mitteilung, die den vierten Quartalsrückgang im Spielegeschäft verzeichnete, verzeichnete an anderer Stelle das stärkste Quartal der Microsoft-Geschichte. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 90,0 Milliarden Dollar, der Gewinn um 31 Prozent auf 35,8 Milliarden, Microsoft Cloud erreichte 59,3 Milliarden und damit 27 Prozent mehr, und Azure samt weiteren Clouddiensten wuchs um 43 Prozent. Microsoft erklärte, der Azure-Umsatz habe erstmals in einem Geschäftsjahr 100 Milliarden Dollar überschritten. Der Jahresumsatz des Konzerns lag bei 331,8 Milliarden, ein Plus von 18 Prozent.
Stellen Sie die beiden Größenordnungen nebeneinander. Microsofts Gewinn dieses einen Quartals, 35,8 Milliarden Dollar, lag etwa 64 Prozent über allem, was die Xbox im gesamten Geschäftsjahr eingenommen hat. Die 21,79 Milliarden der Xbox sind rund 6,6 Prozent der 331,8 Milliarden Jahresumsatz von Microsoft, und dieser Anteil sinkt auf beiden Seiten des Bruchs gleichzeitig, weil der Zähler schrumpft, während der Nenner wächst.
Diese Zahl klärt, welche Art Geschäft die Xbox innerhalb von Microsoft heute ist. Eine Sparte bei 6,6 Prozent des Umsatzes, rückläufig, neben einem Cloudgeschäft, das eben 100 Milliarden im Jahr überschritten hat, wird nicht am Wachstum gemessen. Sie wird am Beitrag gemessen. Das ist keine Vermutung über Absichten, sondern die Beschreibung einer Rechnung, die jeder Kapitalallokator anlegen würde.
Was Neuaufstellung bedeutet, wenn die Prognose fällt
Satya Nadella beschrieb die Lage so, dass man über Inhalteportfolio, Plattform und Betrieb hinweg die notwendigen Entscheidungen treffe, um das Geschäft für langfristiges Wachstum neu aufzustellen. Nehmen Sie das Wort Neuaufstellung ernst und lesen Sie dann die Prognose darunter. Für das nächste Quartal sind weitere 4 bis 6 Prozent Rückgang bei Inhalten und Diensten prognostiziert, bei ebenfalls fallender Hardware. Eine Neuaufstellung, die einen weiteren Rückgang vorhersagt, ist auf keinem vom Unternehmen veröffentlichten Zeitplan eine Rückkehr zum Wachstum.
Ehrlich gelesen ist das ein gesteuerter Rückgang mit angehängter Wiederaufbauabsicht, und beides ist nicht dasselbe. Ein gesteuerter Rückgang hat eine eigene Logik: Marge schützen, streichen, was nicht verdient, die Software- und Abobasis auf fremder Hardware am Leben halten. Die strategischen Schritte der letzten Wochen, Spitzentitel auf Konkurrenzkonsolen zu bringen und werbefinanziertes Streaming zu testen, sind genau das Bild dieser Logik in der Praxis und keine Abweichung davon.
Wer über eine Plattform verkauft, sollte das einpreisen
Für ein europäisches Studio, einen Publisher oder einen Middleware-Anbieter ist die entscheidende Tatsache nicht die Kursreaktion. Sie ist, dass die Linie Inhalte und Dienste des Plattformpartners nun vier Quartale gefallen ist und laut Prognose weiter fällt. Aus diesem Topf werden Budgets für eigene Titel, Marketingunterstützung, Umsatzgarantien und Platzierung im Store bezahlt. Solche Posten werden geprüft, wenn die Linie fällt, und sie werden nach dem Zeitplan der Plattform geprüft, nicht nach Ihrem.
Praktisch heißt das, Plattformunterstützung nicht länger als Konstante im Modell zu führen. Fragen Sie Ihren Ansprechpartner, was für die nächsten zwei Titelfenster schriftlich zugesagt ist, holen Sie sich das Verlängerungsdatum jeder Garantie, auf die Sie sich stützen, und bauen Sie die Version Ihres Plans, die funktioniert, wenn Platzierung und Marketingunterstützung halbiert werden. Tun Sie das, solange das Verhältnis gut ist, denn ein Unternehmen, das ein Geschäft neu aufstellt, warnt seine Partner nicht vorher.
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