Ein Konzernchef, der keine Preismacht behauptete
Cristiano Amon sprach in Qualcomms Telefonkonferenz am 29. Juli überwiegend über die wachsenden Teile seines Unternehmens und sagte dann etwas sehr Nüchternes über den Teil, der nicht wächst. Auf die Preiserhöhung angesprochen, die Qualcomm seinen Kunden angekündigt hatte, beschrieb der Vorstandschef kein Produkt, das sich einen höheren Preis verdient hätte. "We're just passing through big cost increases that we have", sagte er, wir geben lediglich hohe Kostensteigerungen weiter, die wir selbst tragen. Das sagt ein Anbieter selten freiwillig. Eine Preiserhöhung, die ein Unternehmen aus eigener Stärke durchsetzt, ist ein gutes Zeichen. Eine Preiserhöhung, die es weiterreicht, zeigt, dass sich jemand weiter oben in der Kette die Marge zuerst genommen hat.
Der Mechanismus ist einfach, und er trägt ein Datum. Jeder Snapdragon-Chip, der nach dem 1. September 2026 ausgeliefert wird, verteuert sich um einen zweistelligen Prozentsatz. Bloomberg berichtete am 24. Juli über das Kundenschreiben, fünf Tage später bestätigte Qualcomm die Erhöhung zusammen mit den Quartalszahlen. In dem Schreiben erklärte das Unternehmen, die Halbleiterindustrie erlebe einen breiten Anstieg der Einsatzkosten, über Waferfertigung, Montage, Test, fortgeschrittene Gehäusetechnik, Speicher und weitere Materialien hinweg, und man habe die Möglichkeiten ausgeschöpft, höhere Lieferantenkosten selbst aufzufangen. Den genauen Prozentsatz hat Qualcomm nicht veröffentlicht, und niemand sollte eine Zahl nennen, als wäre sie bestätigt.
Der Rückgang kam vor der Erhöhung
Das entscheidende Datum ist nicht der 1. September, sondern das Quartal davor. Qualcomms Umsatz mit Handy-Chips lag im dritten Geschäftsquartal bei 5,086 Milliarden Dollar gegenüber 6,328 Milliarden ein Jahr zuvor. Das ist ein Rückgang von knapp 20 Prozent, und er fand vollständig zu den alten Preisen statt. Was die Erhöhung von nun an mit der Nachfrage macht, ist offen. Für einen Rückgang, der bereits vor ihrem Inkrafttreten verbucht war, kann sie nicht verantwortlich sein.
Diese Reihenfolge ist für jeden wichtig, der demnächst verhandelt. Ein Lieferant, der Preise in eine steigende Nachfrage hinein erhöht, rationiert knappe Ware, und der Einkäufer hat kaum Hebel. Ein Lieferant, der die Preise erhöht, während sein eigenes Volumen um ein Fünftel schrumpft, tut etwas anderes: Er holt sich Kosten zurück, denen er nicht ausweichen kann, und zwar auf einem Geschäft, das ihm unter den Händen kleiner wird. Diesen zweiten Fall hat Qualcomm beschrieben, und er ist der unangenehmere, weil das Unternehmen seine verbliebenen Kunden braucht, um eine Erhöhung genau in dem Moment zu tragen, in dem es weniger von ihnen gibt.
Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu. Qualcomm weist keine Stückzahlen für Handy-Chips aus. Wie viel der 20 Prozent auf weniger Chips entfällt und wie viel auf einen günstigeren Produktmix, ist nicht öffentlich. Die Richtung steht außer Frage, die Zusammensetzung nicht.
99,7 Prozent des Gewinns eines einzigen Konzerns
Die Kosten, die Qualcomm nach eigener Aussage nicht mehr auffangen kann, sind eine Ebene höher als Gewinn sichtbar. Samsung legte seine Zahlen für das zweite Quartal innerhalb eines Tages nach Qualcomm vor. Der Konzernumsatz erreichte 171,5 Billionen Won, der operative Gewinn 89,5 Billionen Won, beides Höchstwerte, und das Speichergeschäft verzeichnete Rekorde bei Quartalsumsatz und operativem Gewinn. Allein die Sparte Device Solutions, in der der Speicher sitzt, erwirtschaftete 89,2 Billionen Won operativen Gewinn.
Stellt man beide Zahlen nebeneinander, wird das Bild deutlich. Auf Device Solutions entfielen 99,7 Prozent des gesamten operativen Konzerngewinns des Quartals. Alles andere, was Samsung tut, von Smartphones und Displays bis zu Fernsehern und Hausgeräten, brachte zusammen 0,3 Billionen Won. Speicher ist in diesem Jahr nicht ein Beitrag unter mehreren. Er ist beinahe der ganze Konzern.
Genau das macht die Weitergabe glaubwürdig und nicht opportunistisch. Wenn ein Lieferant auf gestiegene Vorleistungskosten verweist, lautet die nützliche Prüffrage, ob diese Kosten anderswo als Marge auftauchen. Hier tun sie das, in einer Größenordnung, die schwer zu bestreiten ist. Das sagt einem Einkäufer zugleich, wohin das Geld fließt und wie lange es dorthin fließen dürfte. Die Speicherverträge für den kommenden Zyklus sind weitgehend geschlossen. Das ist keine Verhandlungspose, die sich auflöst, wenn man dagegenhält.
Automotive deckte drei Fünftel der Lücke
Qualcomms Antwort auf ein schrumpfendes Handy-Geschäft besteht darin, in andere Märkte zu verkaufen, und das Quartal zeigt echte Fortschritte. Der Automobilumsatz erreichte 1,588 Milliarden Dollar, ein Plus von mehr als 61 Prozent, die Sparte Internet der Dinge kam auf 1,830 Milliarden, ein Plus von knapp 9 Prozent. Zusammen wuchsen beide um rund 28 Prozent, und genau diese Zahl hob das Unternehmen hervor.
Wachstumsraten schmeicheln jedoch, die absoluten Beträge sind der bessere Maßstab. Automotive und IoT legten zusammen um 753 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr zu. Das Handy-Geschäft gab 1,242 Milliarden ab. Die beiden wachsenden Sparten ersetzten damit knapp 61 Prozent dessen, was die schrumpfende verlor. Deshalb fiel der Gesamtumsatz trotz zweier starker Segmente um rund 4 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar. Amon sagte den Investoren, er erwarte eine Beschleunigung des Wachstums außerhalb des Handy-Geschäfts von 24 Prozent in diesem Geschäftsjahr auf mehr als 60 Prozent im nächsten.
Die andere Hälfte des Problems ist ein einzelner Kunde. Amon erklärte, Qualcomms Anteil am kommenden iPhone werde deutlich unter den zuvor geschätzten 20 Prozent liegen, und der Umsatz mit Apple-Produkten dürfte vom September- zum Dezemberquartal um etwa 50 Prozent fallen. Den schnelleren Rückgang führte er auf dieselben Lieferengpässe zurück, die den Komponentenanteil schmälerten, den Qualcomm bei diesem Marktstart gewann. Ein Lieferant, der bei seinem größten Handy-Kunden an Boden verliert, während der Handy-Umsatz um ein Fünftel fällt, hat allen Grund, die Marge zu schützen, wo immer das noch geht.
Was vor dem 1. September zu klären ist
Die Erhöhung gilt für Chips, die nach dem 1. September ausgeliefert werden, nicht für Geräte, die danach verkauft werden, und in dieser Lücke liegen die praktischen Entscheidungen. Die Smartphones, die in diesem Herbst in europäische Regale kommen, wurden überwiegend aus Silizium gebaut, das zum alten Preis eingekauft wurde. Die neuen Kosten tragen jene Geräte, die jetzt für den Start 2027 spezifiziert werden. Eine Flottenerneuerung, die in diesem Quartal unterschrieben wird, und eine, die im kommenden Frühjahr unterschrieben wird, kalkulieren also mit unterschiedlichen Vorleistungen, auch wenn sich die Modellnamen kaum unterscheiden.
Drei Dinge lohnen sich, solange das Datum noch vor uns liegt. Lassen Sie sich von jedem Gerätelieferanten schriftlich bestätigen, ob ein genannter Preis an ein Lieferdatum gebunden oder für eine Weitergabe von Komponentenkosten offen ist, denn genau diese Klausel entscheidet, ob eine zweistellige Chip-Erhöhung Ihr Budget erreicht. Ziehen Sie den Teil einer Erneuerung für 2027 vor, der sich tatsächlich vorziehen lässt, und nur diesen Teil: Vor einer bekannten Kostensteigerung einzukaufen ist vernünftig, Bestände zu kaufen, die Sie nicht brauchen, ist es nicht. Und behandeln Sie die Speicherposition als eigene Verhandlung, denn sie ist der von Qualcomm genannte Kostenblock und taucht bei Samsung als Rekordgewinn wieder auf.
Was nicht funktioniert, ist abzuwarten, bis die Erhöhung zurückgenommen wird. Ein Lieferant mit fallendem Volumen rabattiert sich nicht zurück ins Wachstum. Er hält den Preis und lässt sich vom besseren Produktmix tragen, und genau dafür ist der Weg in Automotive und IoT gedacht.
Weiterlesen: Google fängt Ihren Speicherpreis nicht mehr auf | Samsung teilt das Fold in zwei Formen



