Ein Gebot lag auf dem Tisch, bevor der Verwaltungsrat antwortete
Die Direktoren von PayPal treffen sich voraussichtlich bereits am 20. Juli, um über ein Angebot zu beraten, um das das Unternehmen nie gebeten hat. Reuters berichtete am späten Dienstag, Stripe und die Private-Equity-Gesellschaft Advent International hätten ein gemeinsames Gebot von 60,50 Dollar je Aktie in bar für PayPal eingereicht und bewerteten den Konzern damit mit mehr als 53 Milliarden Dollar, zu Kursen von Mitte Juli etwa 45 Milliarden Euro. Das sind rund 28 Prozent Aufschlag auf den Schlusskurs des Vortages. Die Aktie legte nach Bekanntwerden um rund 17 Prozent zu.
Die Struktur zeigt, dass hier auf Bestand gebaut wurde und nicht auf den schnellen Weiterverkauf. Hinter dem Gebot stehen rund 50 Milliarden Dollar fest zugesagter Bankfinanzierung. Stripe und Advent würden gleich große Anteile halten, und der Vorschlag lässt PayPal als Ganzes bestehen, statt den Konzern in Teile zu zerlegen. Neu ist die Annäherung ebenfalls nicht. Der erste Kontakt fiel auf Anfang April, das förmliche Angebot folgte früher in diesem Monat.
Was nicht geschehen ist, wiegt hier so schwer wie das, was geschehen ist. PayPal, Stripe und Advent haben jede Stellungnahme abgelehnt. Eine Reaktion des PayPal-Verwaltungsrats ist nicht öffentlich. Dies ist ein unaufgefordertes Gebot in einem frühen Stadium, und unaufgeforderte Gebote scheitern häufig. Wer Ihnen erzählt, der Zahlungsmarkt sei bereits konsolidiert, liest einen Pressebericht als abgeschlossene Transaktion.
Drei der größten Namen im Zahlungsverkehr, eine Seite des Tisches
Das aufschlussreichste Detail ist nicht der Preis, sondern die Frage, wer ihn finanziert. CNBC berichtete, Stripe, Advent und Block brächten zusammen 17 Milliarden Dollar Eigenkapital auf. Block, Eigentümer von Square und Cash App, ist in diesem Markt kein Zuschauer. Das Unternehmen gehört zu den wenigen, die sowohl mit dem Bieter als auch mit dem Ziel konkurrieren. Dass es auf der Käuferseite eines Gebots für PayPal steht, ist der Teil dieser Geschichte, den ein Händler zweimal lesen sollte.
Machen Sie sich die Größenordnung klar, um die es geht. PayPal meldet rund 438 Millionen aktive Konten und wickelt jährlich etwa 1,9 Billionen Dollar Zahlungsvolumen ab. Stripe ist die Standardkasse für einen großen Teil der europäischen Onlinehändler und der Plattformen, über die sie verkaufen. In Deutschland kommt hinzu, dass PayPal an der Kasse kein Zahlweg unter vielen ist, sondern für einen ungewöhnlich hohen Anteil der Händler der meistgenutzte überhaupt. Das sind keine benachbarten Firmen mit ergänzenden Produkten. Es sind der erste und der zweite Name auf fast jeder Auswahlliste, und einer von beiden hat angeboten, den anderen zu kaufen.
Und dann ist da noch das zweite Wort im Namen des Käufers. Advent ist eine Private-Equity-Gesellschaft, und Private-Equity-Renditen entstehen dadurch, dass die Marge bereits gehaltener Beteiligungen ausgeweitet wird. Im Zahlungsgeschäft ist Marge nichts anderes als die Gebührenquote. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Anreizstruktur, und es ist vernünftig, sie in eine Zehnjahressicht auf die Kosten Ihrer Kasse einzupreisen. Ein strategischer Käufer will Ihr Volumen. Ein Finanzinvestor will Ihre Basispunkte.
Verhandlungsmacht verschwindet beim Gebot, nicht beim Vollzug
Hier steht der Teil, den keine Schlagzeile über ein Milliardengebot erwähnt. Händler bekommen keine guten Konditionen, weil ihr Zahlungsdienstleister großzügig wäre. Sie bekommen sie, weil sie glaubwürdig gehen können, und für einen großen Teil der europäischen Unternehmen ist das glaubwürdige Ziel die jeweils andere dieser beiden Firmen. In dem Moment, in dem eine für die andere geboten hat, verliert diese Drohung an Gewicht, und zwar unabhängig davon, ob der Deal jemals vollzogen wird. Ein Anbieter, dem Ihre Alternative bald gehören könnte, verhandelt anders als einer, der fürchtet, Sie an sie zu verlieren.
Deshalb ist Abwarten die teure Entscheidung. Eine Transaktion dieser Größe stünde in Brüssel wie in Washington vor einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung, und Prüfungen dieses Kalibers ziehen sich über viele Quartale. Das ist eine lange Strecke, auf der Ihre Vertragsverlängerung ansteht, Ihre Konditionen besprochen werden und die Wettbewerbsspannung, die bislang hinter Ihrem Preis stand, still erschlafft. Die Unsicherheit ist keine Pause im Markt. Sie ist der Zustand, in dem Sie arbeiten und nachverhandeln werden.
Die Asymmetrie gehört klar benannt. Scheitert der Deal, hat die Arbeit an Ihren Alternativen ein paar Tage gekostet und Sie über Ihre eigenen Wechselkosten informiert, die die meisten Händler nie wirklich gemessen haben. Kommt der Deal zustande, ist genau diese Arbeit der einzige Grund, warum Sie überhaupt eine Zahl haben, mit der Sie argumentieren können. Bei einem der beiden Ausgänge ist es billig, sich geirrt zu haben. Beim anderen nicht.
Drei Aufgaben, solange der Verwaltungsrat noch tagt
Beginnen Sie mit der Klausel, die Sie vermutlich nie gelesen haben. Suchen Sie die Change-of-Control-Regelung in Ihrem Vertrag mit dem Zahlungsdienstleister und klären Sie, was sie tatsächlich zulässt. Manche Verträge erlauben es, Preise und Bedingungen nach einem Eigentümerwechsel mit kurzer Frist zu ändern, andere lassen Sie ohne Strafzahlung aussteigen. Sie müssen wissen, welchen Sie unterschrieben haben, und der Zeitpunkt dafür liegt vor dem Tag, an dem das Integrationsteam eines Käufers den Fahrplan setzt.
Messen Sie Ihren Ausstieg danach in Entwicklertagen, nicht in Absichten. Die meisten Unternehmen halten den Wechsel des Zahlungsdienstleisters für eine Einkaufsentscheidung. Es ist ein Bauprojekt: Tokenisierte Kartendaten müssen umziehen, Abo-Abrechnung und Erstattungsprozesse müssen neu gebaut und getestet werden, der Zahlungsabgleich muss neu verdrahtet werden, und die starke Kundenauthentifizierung muss neu zertifiziert werden. Legen Sie dafür eine echte Zahl an Entwicklertagen auf den Tisch. Diese Zahl sind Ihre wahren Wechselkosten, und bis Sie sie haben, ist jedes Gespräch über Konditionen eine Verhandlung, in der nur eine Seite den Preis des Weggehens kennt.
Holen Sie schließlich ein drittes Angebot ein, solange ein drittes Angebot noch leicht zu haben ist. Adyen, Checkout.com, Worldpay und Mollie gibt es alle, und sie alle wollen das Geschäft. Ein schriftliches Angebot von einem dieser Anbieter ist mehr wert als jede Meinung über Marktstrukturen. Wer nennenswertes Volumen über PayPal oder Stripe abwickelt, fragt jetzt Konditionen an, schriftlich. Wettbewerbsangebote sind genau in dem Moment am günstigsten zu bekommen, in dem Ihr bisheriger Anbieter noch Grund hat, sich um Sie zu sorgen.
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