Drei Finanzierungsrunden, eine Woche, ein Muster
Am Stadtrand von München stehen Kreislaufanlagen, in denen Giant Grouper im industriellen Maßstab aufgezogen werden - ein Fisch, der bislang meist lebend aus Südostasien importiert wurde, jetzt jedoch in landgestützten Aquakultursystemen von Oceanloop heranwächst.
Diese Woche berichtete eu-startups.com nicht über eine, sondern gleich drei europäische Deep-Tech-Finanzierungsrunden innerhalb von etwa 24 Stunden: die bis zu 38,5-Millionen-Euro-Fazilität von Oceanloop, die Series-B-Runde von Computomics über 6,3 Millionen Euro und das 8-Millionen-Euro-Darlehen von LITILIT. Auf den ersten Blick haben sie nichts gemeinsam - Aquakulturtechnologie, klimaangepasste Software für die Pflanzenzüchtung und Präzisionslaserfertigung.
Blickt man jedoch hinter die Branche auf die Kapitalstruktur, zeigt sich ein Muster: Keines der drei Unternehmen hat sich so finanziert, wie es ein typisches, venture-finanziertes Softwareunternehmen tun würde. Jedes griff, in unterschiedlichem Verhältnis, auf öffentliches Förderbank-Kapital zurück, statt sich allein auf Venture Capital zu verlassen.
Oceanloop: Fremdkapital der EIB trägt die Hauptlast
Die Finanzierung von Oceanloop umfasst laut Bericht bis zu 38,5 Millionen Euro, wovon nur ein Teil Eigenkapital ist: von Hatch Blues Blue Revolution Fund und Stolt Ventures. Der größere Teil, eine Venture-Debt-Fazilität über 32 Millionen Euro, stammt von der Europäischen Investitionsbank. Diese Fazilität ist nicht neu: Sie wurde ursprünglich im Oktober 2024 unterzeichnet und laut eu-startups.com im Juli 2026 erweitert und aufgestockt.
Wichtiger als die Schlagzeile: Eine 32-Millionen-Euro-Fremdkapitalfazilität der EIB, ausgelegt zur Finanzierung physischer RAS-Infrastruktur und Skalierung statt Betriebskapital, übernimmt in der Runde von Oceanloop die Hauptlast, während die Eigenkapitalgeber einen kleineren, risikoreicheren Anteil daneben halten. Für landgestützte Aquakultur, einen kapitalintensiven Aufbau mit langem Weg zur vollen Produktionsskala, wirkt diese Mischung bewusst gewählt und nicht wie ein Zeichen dafür, dass reines Eigenkapital nicht verfügbar war.
Computomics: von Venture Capital geführt, öffentlich abgesichert
Computomics, eine 2012 gegründete Ausgründung des Max-Planck-Instituts und der Universität Tübingen mit Sitz in Tübingen, entwickelt maschinelle Lernmodelle, die vorhersagen, wie sich Pflanzengenotypen unter Hitze- und Trockenstress verhalten - ein Werkzeug, das Pflanzenzüchter dringender denn je brauchen, seit das Gemeinsame Forschungszentrum der EU seine Ernteertragsprognosen für 2026 nach unten korrigiert hat. Das Unternehmen schloss eine Series-B-Runde über 6,3 Millionen Euro ab, berichtete eu-startups.com, angeführt vom Agri Food Fund von Convent Capital mit 5 Millionen Euro, unter Beteiligung von High-Tech Gründerfonds, MBG Baden-Württemberg und Amathaon Capital.
Was diese Runde auszeichnet, ist nicht der Lead-Investor, sondern das, was daneben steht: Unterstützung durch das EU-Förderprogramm InvestEU, eingebettet in eine ansonsten klassische, VC-geführte Series-B-Runde. Privates Kapital hat das Unternehmen ausgewählt und die Bedingungen gesetzt; öffentliches Kapital hat der gleichen Runde zusätzliches Gewicht verliehen, statt sie zu ersetzen. Das ist ein anderes Muster als bei Oceanloop, wo Fremdkapital den größten Teil der Summe trug, doch dahinter steht derselbe Instinkt: öffentliches Förderkapital in eine Deep-Tech-Runde zu holen, statt es als unerreichbar zu betrachten.
LITILIT: eine ganze Runde, ein Darlehen einer Förderbank
In Vilnius arbeitet LITILIT seit seiner Gründung 2015 an Femtosekunden-Lasersystemen auf Basis patentierter Cold-Ablation-Technologie für Präzisionsfertigung und medizinische Anwendungen, mit einer geplanten Kommerzialisierung in der zweiten Hälfte von 2029. eu-startups.com berichtete, dass sich das Unternehmen nun 8 Millionen Euro Finanzierung gesichert hat, bei einem Gesamtprojektvolumen von 10 Millionen Euro.
Die gesamten 8 Millionen Euro sind ein Darlehen, kein Eigenkapital: Sie stammen von ILTE, finanziert durch INVEGA, die nationale Förderbank Litauens. In der Runde taucht überhaupt kein Venture-Fonds auf. Für ein Unternehmen mit einem mehrjährigen Zeithorizont bis zur Kommerzialisierung und einer Technologie, die auf Fertigungs- und Medizinmärkte statt auf Software zielt, ist das die reinste Ausprägung des Musters dieser drei Deals - eine nationale Förderbank, die die gesamte Brücke von Forschung und Entwicklung bis zum marktreifen Produkt finanziert.
Was das für Ihre Kapitalstruktur bedeutet
Stellt man die drei Deals nebeneinander, zeigt sich ein echter struktureller Unterschied zum US-amerikanischen, von Venture Capital dominierten Modell. Die Runde von Oceanloop besteht mehrheitlich aus EIB-Fremdkapital. Die Runde von Computomics ist eine private Series B, abgesichert durch InvestEU. Die Runde von LITILIT ist vollständig ein Darlehen einer nationalen Förderbank, ganz ohne Venture Capital. Drei Branchen, drei unterschiedliche Mischungen, ein gemeinsamer Instinkt: öffentliches Förderbank-Kapital zu suchen, wenn die Technologie physisch, kapitalintensiv und langsam auf dem Weg zu einer venture-typischen Rendite ist.
Die praktische Lehre für europäische Gründer, die ein solches Unternehmen aufbauen, lautet: Die Europäische Investitionsbank, InvestEU und nationale Förderbanken - Deutschlands regionale Förderfonds, Litauens INVEGA und ihre Pendants anderswo - sollten von Beginn der Kapitalrunde an geprüft werden, nicht erst als Ausweichlösung, wenn Gespräche mit Venture-Capital-Gebern ins Stocken geraten. EIB-Fremdkapital eignet sich meist für Investitionsgüter und Skalierung, Darlehen nationaler Förderbanken meist für die Brücke von Forschung und Entwicklung zur Kommerzialisierung, EU-Ko-Investitionsprogramme wie InvestEU stehen meist neben einem privaten Lead-Investor, wenn die Technologie einem anerkannten öffentlichen Politikziel dient. Zu wissen, was für das eigene Unternehmen gilt, gehört zur Kapitalrunde dazu und ist kein nachträglicher Gedanke.
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