Die Ankündigung aus München
Waymo kündigte am 25. August 2026 an, in den kommenden Wochen mit dem manuellen Kartieren der Straßen Münchens zu beginnen, dem ersten sichtbaren Schritt hin zu einem öffentlichen Robotaxi-Start, den das Unternehmen für Ende 2027 anpeilt. Der Blogbeitrag mit dem Titel "Servus München: Waymo is Coming to Germany" beschreibt den Schritt als Waymos Einstieg in die Europäische Union, nach der zuvor angekündigten Expansion nach London im Jahr 2026.
Waymo will in München ausschließlich elektrische Fahrzeuge einsetzen und begründet die Expansion mit der eigenen Sicherheitsbilanz: mehr als 350 Millionen autonom gefahrene Kilometer, dazu laut eigenen Angaben 16-mal weniger schwere Unfälle, 14-mal weniger Unfälle mit verletzten Fußgängern und 6-mal weniger Unfälle mit verletzten Radfahrern als bei menschlichen Fahrern. Keine dieser Zahlen bezieht sich auf Deutschland, sie beschreiben Waymos bestehenden Betrieb in den USA, wo laut Unternehmensangaben jede Woche hunderttausende bezahlte Fahrten stattfinden.
Was Waymo noch fehlt
Waymo besitzt noch keine Zulassung der deutschen KBA, des Kraftfahrt-Bundesamts, um autonome Fahrzeuge auf Münchens Straßen zu betreiben. In der eigenen Ankündigung heißt es lediglich, man stehe "im Austausch mit kommunalen, Landes- und Bundesbehörden" über die nötigen Genehmigungen, und externe Berichte zur Ankündigung bestätigen, dass diese Genehmigungen noch ausstehen.
Deshalb sitzt in den ersten Fahrzeugen auf Münchens Straßen zunächst ein menschlicher Fahrer, der die hochauflösenden Karten und Trainingsdaten sammelt, die Waymo braucht, bevor überhaupt ein Antrag für autonome Testfahrten möglich ist. Für manuelles Kartieren ist die Level-4-Freigabe der KBA nicht nötig, für fahrerlosen Betrieb oder selbst für Testfahrten mit Sicherheitsfahrer unter Level-4-Regeln aber schon.
Momenta hat die Behörde bereits überzeugt
Momenta, ein chinesisches Unternehmen für autonomes Fahren, erhielt um den 30. Juli 2026 eine bundesweite Level-4-Testgenehmigung der KBA, etwa vier Wochen vor Waymos München-Ankündigung, wie electrive.com und mehrere andere Fachmedien berichteten. Die Genehmigung erlaubt Momenta Level-4-Testfahrten im Stadtverkehr in ganz Deutschland auf einmal statt Stadt für Stadt einzeln, und Fachmedien beschreiben Momenta als erstes chinesisches Unternehmen mit dieser bundesweiten Zulassung.
Die Genehmigung ist keine kommerzielle Lizenz. Electrive.com schreibt ausdrücklich, eine Testgenehmigung sei "keine Betriebslizenz" und es lägen "noch viele weitere Zulassungsschritte zwischen dem Testen und einem Dienst". Momenta hat noch keinen Starttermin für den Robotaxi-Dienst genannt, den das Unternehmen seit einer im September 2025 angekündigten Partnerschaft mit Uber für München plant. Zwei andere Unternehmen erhielten ihre deutsche Genehmigung sogar noch früher: Mobileye und Volkswagen testen mit einer Genehmigung für Stadt-, Land- und Autobahnstrecken bis 130 km/h bereits seit 2020, allerdings ebenfalls ohne Zulassung für zahlende Fahrgäste.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Deutschland hat seit 2021 einen gesetzlichen Rahmen für autonomes Fahren der Stufe 4, als erstes Land der Europäischen Union, und dieser Rahmen wird bereits genutzt: Mobileye und Volkswagen testen seit 2020 mit deutschen Genehmigungen, und Momenta erhielt im Juli 2026 die bundesweite Level-4-Testgenehmigung. Waymos Sicherheitsbilanz von 350 Millionen Kilometern ist real, beschreibt aber die Straßen eines anderen Landes unter einer anderen Behörde, und sie ersetzt nicht die KBA-Zulassung, die Waymo in Deutschland noch braucht.
Für einen deutschen oder europäischen Betreiber, Versicherer oder Regulierer, der dieses Feld beobachtet, zählt nicht Waymos Unfallquote, sondern wen die KBA als nächstes zulässt und zu welchen Bedingungen. München ist damit ein laufender Vergleich zwischen einem US-amerikanischen und einem chinesischen Anbieter, die dieselben Genehmigungen unter denselben Regeln beantragen, und in diesem Sommer war die KBA zuerst beim chinesischen Anbieter fertig.
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