Ein 15-Milliarden-Projekt neben einem Wildschutzgebiet

Googles geplantes Rechenzentrum in den Dörfern Adavivaram und Mudasarlova, im Verwaltungsbezirk Visakhapatnam Rural in Andhra Pradesh, ist eine im Oktober 2025 angekündigte Investition von 15 Milliarden US-Dollar, entwickelt gemeinsam mit der Unternehmensgruppe von Gautam Adani - umgerechnet rund 13 Milliarden Euro nach aktuellem Wechselkurs. Landesbehörden und die beteiligten Unternehmen rechnen mit bis zu 188.000 Arbeitsplätzen im Zuge des Ausbaus. Die Bauarbeiten sind bereits sichtbar: Ein Hügel oberhalb des Geländes wurde abgetragen und terrassiert, während das Gerichtsverfahren noch läuft.

Der Streitpunkt ist die Entfernung. Das Kambalakonda-Wildschutzgebiet, Lebensraum von Leoparden und Schuppentieren, liegt nur rund 860 Meter von der Baustelle entfernt und befindet sich innerhalb einer ausgewiesenen ökologisch sensiblen Zone. Landesbehörden betonen, das Projekt halte alle gesetzlich vorgeschriebenen Abstände ein, während Google zusätzliche schalldämpfende Maßnahmen zugesagt hat, um Störungen des Schutzgebiets während der Bauphase zu begrenzen.

Das Gerichtsverfahren und die Wasserrechnung

Der High Court von Andhra Pradesh hat die Landesregierung aufgefordert, zu einer Klage im öffentlichen Interesse Stellung zu nehmen, die von der Aktivistengruppe Jal Biradari eingereicht wurde. Sie argumentiert, das Projekt werde den Druck auf ein nahegelegenes Reservoir erhöhen und die Wasserversorgung der ganzen Stadt belasten. Der nächste Verhandlungstermin ist der 24. August 2026. Getrennt davon hat das Human Rights Forum drei weitere Klagen vor Indiens Umweltgericht eingereicht und argumentiert, die Behörden hätten das Projekt in einer niedrigeren Prüfkategorie genehmigt, ohne die Auswirkungen auf ein ländliches Trinkwasserprogramm ausreichend zu bewerten - und fordert einen Baustopp.

Die Wasserzahlen erklären die Sorge: Visakhapatnam erhält täglich etwa 410 Millionen Liter Wasser bei einem angegebenen Bedarf von 480 Millionen - eine Stadt mit 2,5 Millionen Einwohnern, die bereits mit zeitweiliger Rationierung lebt. Der Bundesstaat hat dem Projekt eine garantierte Wasserversorgung für 20 Jahre zugesagt. Google erklärte gegenüber Reuters, man werde fortschrittliche Luftkühlung einsetzen, um lokale Wasserressourcen zu schonen, und das Gelände im Einklang mit geltendem Recht entwickeln. Die Landesregierung bezeichnete die Bedenken der Aktivisten als falsch und irreführend, erklärte sich aber offen für Rückmeldungen.

Was europäische Rechenzentrumsplaner aus Vizag lernen sollten

Für Googles Geschäft in Europa ändert sich dadurch heute nichts, und der Fall sollte nicht als Beleg dafür gelesen werden, dass Indiens Gerichte investitionsfeindlich wären. Lohnender ist der Blick darauf als Vorschau auf ein Muster, dem europäische und britische Rechenzentrumsentwickler zunehmend begegnen, je schneller der Ausbau von KI-Infrastruktur voranschreitet: Standorte werden dort gewählt, wo Strom und Fläche verfügbar sind, nicht dort, wo Genehmigungen einfach sind, und geraten damit häufiger in die Nähe von Schutzgebieten oder wasserarmen Einzugsgebieten - und damit in den Streit. Die FFH-Richtlinie der EU, die Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung und in Großbritannien das Regime für Schutzgebiete samt Entnahmegenehmigungen der Environment Agency geben europäischen Behörden formalere Werkzeuge als eine indische Klage im öffentlichen Interesse - doch die Grunddynamik bleibt dieselbe: Eine erteilte Baugenehmigung beendet nicht die öffentliche Debatte darüber, ob ein Standort überhaupt richtig gewählt wurde, und Einsprüche können parallel zum Bau laufen, statt ihn zu stoppen.

Die praktische Lehre für Betreiber und Genehmigungsbehörden lautet, die Nähe zu Schutzflächen und lokalen Wasserstress bereits in der Bewertungsphase als Risiko einzupreisen, nicht erst nach der Standortwahl als Formsache abzuhaken - und damit zu rechnen, dass eine erteilte Genehmigung Bauzeit kauft, nicht das Ende der Prüfung. In Deutschland regelt das Wasserhaushaltsgesetz die Entnahme von Wasser für genau solche wasserintensiven Anlagen, und die Niederlande haben schon früher in diesem Jahrzehnt eine eigene Version dieser Debatte durchlebt, als der Ausbau neuer Hyperscale-Rechenzentren wegen Flächen-, Netz- und Wassersorgen ausgesetzt wurde, nachdem lokaler Widerstand ein großes geplantes Vorhaben zu Fall gebracht hatte. Vizag ist dasselbe Argument in einem anderen Gerichtssaal.